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So handeln Sie Ausbrüche im Forex-Markt

Trader Maite Krause.

Es ist immer wieder die gleiche zermürbende Frage, die sich Trader jeder Erfahrungsklasse beim täglichen Handeln mit Forex stellen: Welche Strategie bringt den meisten Gewinn und mit welchem Handelssystem kommt das Konto mehr oder weniger unbeschadet durch den Forex-Markt? Zwar können auch wir Ihnen nicht den heiligen Gral schenken, denn diesen gibt es beim Trading schlichtweg nicht. Dennoch gibt es einen sinnvollen Strategie-Ansatz, der hohe Gewinnchancen in volatilen Marktphasen zulässt: die Breakout-Strategie.

DIE DAILY-BREAKOUT-STRATEGIE

EINFACHES KONZEPT – GROßE WIRKUNG

Breakouts – oder auf Deutsch Preisausbrüche – werden am besten auf die Majors, die fünf Hauptwährungspaare, angewandt. Es werden die volatilen Handelszeiten der europäischen und amerikanischen Trading Session (08:00 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit) ausgenutzt, um auch fundamentale Ereignisse gezielt abzudecken.

Die Kursspanne, aus welcher der Kurs „ausbrechen“ soll, wird von 24:00 bis 8:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gebildet und bietet dem Trader einen grundlegenden Handelsansatz für den kommenden Tag ab 08:00 Uhr. Diese Spanne ist immer nur für den jeweiligen Tag gültig, danach muss sie neu definiert werden und eignet sich somit hervorragend für Daytrader.

Die Höchstkurse bis 08:00 Uhr werden als Obergrenze beziehungsweise Widerstandsbereich angesehen, wobei die Tiefstkurse ein Unterstützungslevel darstellen. Sollte der Kurs nun über das markierte Hoch oder unter das markierte Tief laufen, wird eine Kauforder über dem Hoch beziehungsweise eine Verkaufsorder unter dem Tief realisiert. Damit der eifrige Trader nicht die ganze Zeit den Chart beobachten muss, um diesen Einstieg nicht zu verpassen, werden Pending-Orders (bedingte automatische Einstiege) ab 08:00 Uhr mit gezielten Entrys für Kauf und Verkauf ins System des jeweiligen Brokers eingegeben.

Sobald ein Kauf-/Verkaufsauftrag ausgelöst wurde, kann es losgehen und der Trade wird über den Tag laufen gelassen – mit einem Chance/Risiko-Verhältnis (CRV) von zirka 2:1 an fundamental ruhigen Tagen bis hin zu einem CRV von 4:1 an wirtschaftlich gewichtigen Tagen, wie zum Beispiel der Leitzinsentscheidung eines Landes.

Bei dieser Strategie werden nicht mehr als maximal ein bis zwei Prozent des Trading-Kapitals pro Trade riskiert, was beträchtlichen Gewinnchancen bis zu vier oder sogar acht Prozent pro Trade gegenübersteht. Das Trade-Management ist einfach und sollte mit einem automatischen Trailing-Stopp von zirka 15 bis 25 Pips festgelegt werden.

WIE WERDEN EINSTIEGE FESTGELEGT?

Zunächst wird die Kurspanne von 24:00 bis 8:00 MEZ im 15-Minuten-Chart betrachtet. In dieser Zeit werden Hochs und Tiefs bestimmt. Ein Kaufeinstieg erfolgt zirka zwei bis fünf Pips oberhalb des Hochs, ein Verkaufseinstieg zirka zwei bis fünf Pips unterhalb des Tiefs.

Zudem wird im 1-Stunden-Chart auf starke Widerstands- oder Unterstützungsbereiche in dem Bereich des vermeintlichen Entrys geachtet. So wird eine Kauforder lieber oberhalb des Widerstandes und eine Verkaufsorder unterhalb der Unterstützung festgelegt.

WO STEIGT MAN AUS DEM MARKT AUS?

Gier ist beim Trading bekanntlich eine der vielen Todsünden. Doch jeder Trader kennt das Gefühl, wenn der Trade im Gewinn läuft und man engstirnig prognostiziert, dass doch noch mehr zu holen ist und dass man doch noch ein paar Pips wettmachen muss. Das Gefühl ist rein menschlich und die einzige Abhilfe ist ein fundierter Handelsplan mit geregelten TakeProfit-Zielen. Diese werden bei der Breakout-Strategie auf Basis des CRVs berechnet und im Trade-Verlauf strikt eingehalten.

Der Stopp-Loss (SL) kann zum Beispiel mit 20 bis 30 Pips festgelegt werden. Der Take Profit (TP) liegt bei 40 bis 100 Pips, je nach Marktfluktuationen. So wird ein kleinerer TP in ruhigen Marktphasen gewählt, wobei an Tagen von Zinsentscheidungen und weltpolitischen Ereignissen ein größerer TP veranschlagt wird.

Wird ein Trade im Minus ausgestoppt, ist es möglich, den gleichen Entry am gleichen Tag noch einmal zu benutzen. Dieser wird dann wieder als Pending-Order ins System eingegeben.

Somit sind bei dieser BreakoutStrategie Ein- und Ausstiege klar definiert, was des Traders Psyche erleichtert und sowohl Gier als auch Angst ausblendet. Sie sollten sich immer an diesen Ein-und Ausstiegsplan halten und auch mal einen Fehlausbruch oder immense Gewinne, die Sie noch über den TP hinaus gemacht hätten, gelassen hinnehmen.


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HANDELSZEITEN

Nachdem die Einstiege für Long und Short an einem Handelstag definiert und Stopp-Loss und Take Profit gespeichert wurden, kann es direkt ab zirka 08:30 Uhr MEZ losgehen. Die Einstiege werden als bedingte Order zusammen mit SL, TP und Trailing-Stopp ins System Ihres Brokers eingegeben und haben ihre Gültigkeit bis zirka 21:00 Uhr. Danach werden alle ausstehenden Aufträge gelöscht und am nächsten Tag neu definiert.

BREAK-OUTS UND FAKEOUTS

Wie bei jeder Strategie gibt es natürlich nicht nur Sonnen-, sondern auch Schattenseiten. So funktioniert die Breakout-Strategie sehr profitabel in Trendphasen und volatilen Märkten, jedoch häuft sich die Wahrscheinlichkeit von Fehlausbrüchen, sogenannten „Fakeouts“, in unschlüssigen Seitwärtsphasen.

Hier ist es wichtig, anhand von gezieltem Nachziehen der Stopps (Trailing-Stopp) Verluste zu begrenzen und Gewinne rechtzeitig zu sichern. Wird ein Trade im Minus ausgestoppt, gibt es die Option, den Trade – im Falle eines erneuten Signals und unter Berücksichtigung des Maximums von ein bis zwei Prozent Risiko pro Trade – ein zweites Mal durchzuführen.

Sollte es Tage geben, an denen man meinen mag, es gäbe nur Fehlausbrüche, so ist es ratsam, eine kleine Trading-Pause einzulegen oder das Risiko pro Position noch weiter zu minimieren. Denn eines ist sicher: Der Markt reagiert nie immer gleich, aber die nächste gewinnbringende Phase für die Strategie kommt bestimmt.

Bild 1. EUR/USD, 30-Minuten-Chart. Die Einstiegszonen sind als Kreise gekennzeichnet (grün für Long, rot für Short). Die nächtliche Kursspanne definierte das Hoch bei 1,3289 und das Tief bei 1,3273. Der eigentliche Long Entry wäre bei zirka 1,3294. Da dieser jedoch innerhalb des Widerstandsbereichs bei 1,33 liegt, würde man hier die Kauforder lieber oberhalb von 1,33 setzen. Das gleiche würde für Unterstützungszonen gelten. Der Short Entry wäre bei zirka 1,3268. Hier kann man gerne eine gerade Zahl wie 1,3270 wählen. Dieser Short Trade hätte sich gelohnt. Der Eurokurs ist ab 1,3270 zirka 50 Pips in einer Stunde gefallen.

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Bild 2. Fehlausbruch im EUR/USD, 30-Minuten-Chart. Ein Beispiel eines Fehlausbruchs im Euro. Da die Entrys bis zirka 21:00 Uhr gültig sind, hätte man die verlorenen Pips in Richtung Short während der US-Trading-Session wieder kompensieren können.

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WANN DAILY BREAKOUTS DIE GRÖßTEN GEWINNE BRINGEN

Die höchste Gewinnwahrscheinlichkeit liegt meist in fundamental beeinflussten Kursverläufen. So lohnt es sich, einen Blick auf den täglichen Wirtschaftskalender zu werfen, denn die größten Schwingungen gehen mit Überraschungen und neuen Erkenntnissen zur Wirtschaftslage eines Landes und somit der jeweiligen Währung einher.

Besonders interessant sind Notenbankentscheidungen oder Protokolle, die richtungsweisende Hinweise liefern. An solchen Tagen darf auch mal der Take Profit großzügig auf 100 oder mehr Pips gespeichert werden.

Der Markt preist etwaige Spekulationen und Neuerungen in der Geldpolitik wichtiger Währungen weit vorher ein. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Sie sich stets einen Überblick über die aktuelle wirtschaftliche und weltpolitische Lage machen und auch auf größeren Zeitebenen wie zum Beispiel im 4-Stunden- oder Tages-Chart primäre Trends erkennen.

So lässt sich eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit immer eher in Richtung des Trends ausmachen, was die tägliche Einstiegsfindung erleichtert. Ein Blick auf das Chartbild der letzten Wochen bestätigt das enorme Abwärtspotenzial, das zum einen aufgrund der weltpolitischen Krisenherde und zum anderen aufgrund von Spekulationen rund um die Zinsstraffungen im Dollar und die schwächelnde Eurozone begründet liegt. In starken Trendphasen können Sie mit dieser Strategie auch Swing Trades über mehrere Tage laufen lassen, den Stopp stetig anpassen und Teilgewinne einstreichen.

Bild 3. SKS-Formation im GBP/USD, 1-Stunden-Chart. Die umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter Formation prognostizierte einen Long-Ausbruch. Der Einstieg erfolgte kurz über der Nackenlinie.

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BEURTEILUNG UND HILFESTELLUNGEN

Nicht jede Art von Breakout bietet gleich hohe Gewinnchancen und Sie als Trader sollten annähernd beurteilen können, wann die Trefferwahrscheinlichkeit im höheren Bereich liegt und wann sich ein Einstieg lohnen könnte. Hierzu bedienen sich professionelle Trader einiger gängiger Tools, die kleine Hilfestellungen ermöglichen.

Dazu gehören zum Beispiel Ausbrüche aus symmetrischen Mustern, wie an-/und absteigende Dreiecke, doppelter Top/Boden und Kopf-Schulter-Formationen, um hier nur die wichtigsten Muster zu nennen. Hat der Kursverlauf ein solches Muster gebildet, sollten Sie wachsam sein und Ihre Einstiege hiernach planen, denn Breakouts aus diesen Mustern werden gerne und meist volatil gehandelt. Die Intensität eines solchen Breakouts ist dementsprechend stärker, wenn ein solches Muster auf größeren Zeitebenen gesichtet wird (zum Beispiel im Tages- oder 4-Stunden-Chart).

Eine andere Möglichkeit, gute Ausbruchschancen zu identifizieren, sind bestimmte Kerzenmuster, die sich zum Beispiel im Tageschart gebildet haben. Hier wird gerne die Inside-Bar-Candle genutzt, die einen bevorstehenden Ausbruch, sowohl in Trendrichtung als auch in Umkehrfunktion, prognostizieren kann. Eine InsideBar-Formation besteht, wenn die darauffolgende andersfarbige Tageskerze (Tag 2) ihren höchsten und tiefsten Preis innerhalb der vorangegangenen Tageskerze (Tag 1) hat. Der Einstieg wird dann an Tag 3 ober-/unterhalb des Hochs/Tiefs der zweiten Tageskerze gesetzt.

Es gibt noch unzählig viele weitere Methoden, um die Stärke eines Breakouts zu beurteilen, wie zum Beispiel anhand von RSI (Relative Strength Index) oder MACD (Moving Average Convergence Divergence). Bei Letzterem gilt, dass, wenn das MACD-Histogramm klein ist und kurze Balken anzeigt, das Momentum gering ist und ein Ausbruch somit womöglich nicht viel Stärke hätte. Im umgekehrten Fall, wenn das MACDHistogramm groß ist, indiziert dies ein starkes Momentum und somit auch die Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Breakouts.

Wichtig ist trotz alledem, dass Sie sich auf wesentliche Kursverläufe konzentrieren und sich nicht zu sehr ins kleinste Detail verrennen. Hier besteht immer wieder die Anforderung an den Trader, sich mit kühlem Kopf an die gesteckten Regeln zu halten und nicht immer alles vorhersagen zu wollen. Denn der Markt reagiert vielleicht an einem Tag logisch für den disziplinierten Trader, um dann wieder an einem anderen Tag genauso unlogisch zu reagieren.

Bild 4. Inside-Bar im Tageschart EUR/USD. Der Long Entry wäre über dem Hoch, der Short Entry unter dem Tief des Inside-Bars und hätte in diesem Fall über 50 Pips auf der Long-Seite und weit über 100 Pips auf der Short-Seite gebracht. In diesem Fall hat der Inside-Bar einen bis heute andauernden Abwärtstrend angekündigt.

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FAZIT

Das Handeln von Breakouts ist eine von vielen Tradern professionell angewandte Strategie und liefert sowohl im Swing Trading als auch im Daytrading zufriedenstellende Ergebnisse. Die besten Resultate werden in volatilen Marktphasen oder in starken Trends erzielt, wobei Unschlüssigkeit der Marktteilnehmer und andauernde Seitwärtsphasen die Trefferwahrscheinlichkeit der Einstiege minimieren.

Das Identifizieren von Breakouts ist eine gute Möglichkeit, um qualitativ gute Einstiege zu ermitteln und so mit den „großen Fischen“ mitzuschwimmen. So kann sich ein Trader sicher sein, dass er nichts verspasst und bei großen Trends oder straken Schwingungen immer mit von der Partie ist.


Maite Krausse beschäftigt sich seit dem Wirtschaftsstudium mit dem Thema Börse. Heute ist sie professionelle Daytraderin mit Spezialisierung auf den Forex-Markt. Quelle: Traders' Mag.

Trading-Strategie Maite Krause.

Maite Krause


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