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Mario Lüddemann: Ein Trader auf alle Zeitebenen (Teil 2)

Im zweiten Teil des beeindruckenden Interviews mit Profi-Trader Mario Lüddemann erklärt er, wie er selbst tradet. Hierbei beschreibt er einige Trades auf Aktien wie z.B. Adidas und Wirecard.



  • Nutzen Sie im Swing- und Positionshandel nachlaufende Stopps?

Mario Lüddemann: Ja. Hier macht es Sinn. Allerdings will ich auch dort erst mein Mindest-CRV erreicht sehen, bevor ich irgendwelche Stopps nachziehe. Es macht keinen Sinn, einen Break-Even-Stopp zu setzen, nur weil ich gerade mal mit dem Betrag meines Risikos im Buchgewinn liege und Angst habe, dass es am Ende wieder ein Verlust werden könnte. Denn durch zu frühes Nachziehen steigt die Gefahr des unnötigen Ausstoppens deutlich an. Allerdings nutze ich manchmal eine andere, tatsächlich gewinnbringende Technik: Bei einigen besonders dynamischen Daytrades verkaufe ich nur die Hälfte und nehme den Rest für einen Swing Trade mit nach Hause. Diesen manage ich dann per Trailing-Stopp im Stunden-Chart. Wenn es ganz gut läuft, verkaufe ich später nochmal die Hälfte und nehme ihn als Positions-Trade auf dem Tages-Chart mit. Ein gutes Beispiel dafür war mein Daytrade bei Adidas, der sich zu einem richtigen Homerun auf den höheren Zeitebenen entwickelte. Als Trendfolge-Trader braucht man immer mal so einen Super-Trade, um die vielen Verluste wieder reinzuholen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten Trendfolgestrategien nur Trefferquoten von 40 bis 45 Prozent haben, und da machen einzelne sehr große Gewinne durchaus einen entscheidenden Unterschied.

Bild 7. Daytrade bei Adidas. Nachdem das Unternehmen erneut betont hat, eigene Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zurückzukaufen, eröffnete der Kurs nochmals höher. Mario Lüddemann nutzte die Nachricht zu einem kurzfristig angelegten Daytrade. Am Ende des Tages schloss er jedoch nur die Hälfte der Position, die bereits weit im Gewinn lag, und verwaltete die Restposition anschließend im 1-Stunden-Chart.

Adidas Aktien handeln.

Bild 8. „Mitgenommener“ Daytrade bei Adidas. Bild 8 zeigt die weitere Entwicklung der Restposition des auf dem 1-Stunden-Chart mitgenommenen Daytrades aus Bild 7. Die Position wurde erst zwei Wochen später auf deutlich höherem Niveau geschlossen.

Trading Buch Mario Lüddemann: Beispiel Trade.

  • Einige Leser fragen sich vielleicht, ob das platzieren des Stopps unter dem letzten Zwischenhoch oder -tief nicht prädestiniert dafür ist, abgefischt zu werden?

Mario Lüddemann: Im Einzelfall kann das durchaus passieren. Dennoch halte ich es für sinnvoll, einen Stopp an Punkt 3 nach Markttechnik fest im Markt zu haben. Konkret liegt dieser bei mir etwa 0,1 Prozent unter dem letzten Tief beziehungsweise über dem letzten Hoch. Letztlich glaube ich sogar, dass es eigentlich egal ist, wo der Stopp sich genau befindet, da er früher oder später ohnehin auch mal total ungünstig ausgelöst werden wird. Dieses Thema muss man innerlich sozusagen abhaken und akzeptieren, da sich das Problem niemals ganz vermeiden lässt. Statistisch betrachtet verliere ich etwa jeden zweiten Trade; damit muss man eben leben. Genau deswegen setze ich schließlich den Stopp und definiere damit mein Risiko – und wenn ich ausgestoppt werde, dann ist das nichts weiter als ein im Voraus kalkuliertes Szenario.

  • Gibt es auch Trades, bei denen Sie keine Stopps setzen?

Mario Lüddemann: Im Prinzip habe ich immer einen Stopp. Allerdings sieht dieser bei einigen meiner Swing- und Positions-Trades ganz anders aus. Dabei nutze ich keinen preisbasierten, sondern einen zeitbasierten Stopp. Das macht Sinn, weil hier der preisbasierte Stopp aufgrund der höheren Zeitebene ohnehin entsprechend weiter entfernt liegen würde. Am besten erkläre ich das vielleicht an einem Beispiel. Nehmen wir an, der Markt ist stark überverkauft und beginnt in den Panikmodus zu verfallen. Das war zum Beispiel am 04. April der Fall, als das Put/CallRatio über zwei notierte und auch andere Faktoren stark in den roten Bereich gingen. Aus Erfahrung weiß ich, dass so etwas nicht lange anhält und innerhalb von rund zwei Tagen eine ordentliche Gegenbewegung kommen sollte. Also gehe ich auf Basis der Volatilitätsübertreibung für einen Swing Trade long in den Markt und setze einen Zeitstopp von drei Tagen. Eine ganz einfache Methode, die aber erstaunlich gut funktioniert.

  • Können Sie ihren Ansatz beim nachrichtenbasierten Trading näher beschreiben?

Mario Lüddemann: Hier schaue ich nach Bekanntgabe einer relevanten Nachricht, was der Markt in den ersten Minuten daraus macht, und steige dann markttechnisch im 1-Minuten-Chart trendfolgend ein. Meist warte ich dafür auf die Xetra-Eröffnung und gehe nicht schon vorher rein. Eine Ausnahme sind Nachrichten, bei denen ich ziemlich sicher weiß, wie der Markt reagieren wird – wie etwa Kapitalerhöhungen (negative Reaktion) oder Übernahmespekulationen (positive Reaktion). Hier gehe ich auch vorbörslich in den Trade.

  • Welche weiteren Strategien setzen Sie ein?

Mario Lüddemann: Zwei Beispiele sind der Handel des untergeordneten Trends aus der Korrektur heraus sowie der Handel von Jahreshochs. Ein gutes Beispiel für einen Trade von Jahreshochs ist bei der Aktie von Deutsche Wohnen zu sehen. Nachdem es der Aktie gelungen ist, ein neues Jahreshoch zu markieren und der Gesamtmarkt weiter Stärke aufbaute, habe ich mich für diesen Trade auf Stundenbasis entschlossen. Im Chart ist sowohl das neue Jahreshoch als auch der anschließende Einstieg zu sehen. Es handelt sich um einen Trend-Trade. Die Stopps ziehe ich regelmäßig unter die letzten Tiefs nach.

Bild 4. Trade am Jahreshoch. Dieses Beispiel zeigt einen Trade am Jahreshochsbei der Aktie von Deutsche Wohnen. Nachdem sie es  erreichte und der Gesamtmarkt weiter Stärke aufbaute, eröffnete Mario Lüddemann eine Long-Position im 1-Stunden-Chart. Bei diesem Trend-Trade zieht er die Stopps regelmäßig unter die letzten Tiefs nach.

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Einen typischen Trade aus der Korrektur heraus sehen wir bei Wirecard. Die Aktie befand sich im 1-Stunden-Chart in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Die nachfolgende Korrektur nutzte ich für einen Einstieg im untergeordneten Trend im 5-Minuten-Chart. Diese Art des Handels ermöglicht es mir, einen Einstieg mit geringem Risiko und hohem Gewinnpotenzial zu finden.

Bild 6. Trade im 1-Stunden-Chart. Dieses Beispiel zeigt einen Trade aus der Korrektur heraus bei Wirecard. Die Aktie befand sich im 1-Stunden-Chart in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Die nachfolgende Korrektur und den anschließenden Ausbruch nutzte Mario Lüddemann zum Einstieg in den untergeordneten Trend im 5-Minuten-Chart. 

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  • Achten Sie auch auf das Handelsvolumen?

Mario Lüddemann: Ja, aber nur im TagesChart und in sehr kurzfristigen Minuten-Charts. Auf den Zeitebenen dazwischen wird das Volumen im Zeitablauf zu stark durch die drei Auktionen  und die dortigen hohen Umsätze verfälscht, die jeden Tag zur Eröffnung, mittags und zum Handelsschluss stattfinden. Früher habe ich auch auf das Orderbuch und die Geschwindigkeit der Times-and-Sales-Liste geachtet, aber meiner Einschätzung nach bringt das heute so gut wie keinen Vorteil mehr.

  • Was ist Ihrer Meinung nach das grösste Problem der meisten Trader, die scheitern?

Mario Lüddemann: Das Verrückte ist, dass Trading vom Ablauf her eigentlich einfach ist, aber in der tatsächlichen Umsetzung sehr schwierig. Das Problem entsteht dabei im Kopf. Viele Menschen schaffen es einfach nicht, nach einer Serie von Verlusten den nächsten Trade genauso zu behandeln, als hätte es die vorherigen Verluste nicht gegeben. Genau das ist aber notwendig. Ich kann nicht nach fünf Verlust-Trades den nächsten Trade vorzeitig mit kleinem Gewinn schließen, nur um einen weiteren Verlust zu vermeiden. Denn genau dieser Trade liefert vielleicht den großen Gewinn, den ich ja so dringend brauche, um meine Gesamtstatistik auf lange Sicht ins Positive zu heben! Das macht natürlich auch Sinn, aber im Kopf des Traders fühlt es sich in diesem Moment und der scheinbar hoffnungslosen Situation eher so an, dass er den kleinsten Gewinn realisieren möchte, um sich zunächst psychisch wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ein Trader, der wirklich professionell handelt, lässt sich aber auch von Verlustserien gar nicht erst aus dem Gleichgewicht bringen und schafft es so, seiner Linie treu zu bleiben. Und glauben Sie mir eines: Das ist leichter gesagt als getan.

  • Für Einsteiger ist es oft schwierig einzuschätzen, welcher Trader wirklich Experte ist und wer nur eine Show macht. Wie schafft man hier Klarheit?

Mario Lüddemann: Am besten sind natürlich immer reale Handelsergebnisse mit echten Konten. Auf längere Sicht glaube ich aber, dass sich das Ganze auch von selbst reguliert. Wer zehn oder 20 Jahre in diesem Geschäft unterwegs ist, muss vieles richtig gemacht haben. Letztlich bleibt hier nur eine Handvoll Trader übrig, die wirklich Profis sind und sich in den verschiedensten Marktphasen bewährt haben.

Für meinen Teil habe ich zum Beispiel mehrmals im Rahmen eines Echtgeldprojekts gezeigt, wie man mit einem kleinen Konto handeln und es auf die nächste Stufe hochhandeln kann.

  • Wie sieht ihr Leben neben dem Trading aus?

Mario Lüddemann: Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne, die momentan studieren. Im Lauf eines Jahres versuche ich etwa drei Monate Urlaub zu machen, am liebsten auf Fuerteventura, eine der Kanarischen Inseln. Dort kann man wunderbar segeln und entspannen. In meiner Urlaubszeit verzichte ich aber nicht ganz aufs Trading und nehme mir eine Stunde jeden Morgen Zeit, um die höheren Zeitebenen zu traden und Positionen im Stunden- und Tages-Chart zu verwalten. Daytrading ist im Urlaub aber tabu. Insgesamt ist das ein guter Kompromiss. Während der restlichen neun Monate habe ich neben dem Trading auch viel Abwechslung durch Seminare und Coachings, was mir wirklich Spaß macht. Man kann also sagen, dass ich mein Leben auf lange Sicht ganz gut um das Trading herum ausgerichtet habe. Quelle: Traders' Mag.

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Video mit Mario Lüddemann

In seinem Vortrag gewährt Mario Einblicke in seine tägliche Tradingroutine von der Marktvorbereitung bis hin zur markttechnischen Analyse der Finanzmärkte. Anhand vieler Praxisbeispiele erklärt Mario Lüddemann anschaulich und leicht verständlich seine professionelle Herangehensweise an das Trading.

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