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John F. Carter: So traden Sie das Momentum nach ruhigen Marktphasen (Teil 1)

Traden wie John F. Carter.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm und gute Trader fallen nicht vom Himmel – beide Aussagen treffen auf unseren Interviewpartner John Carter wie die Faust aufs Auge. So war John Carters Vater als Börsenmakler bei Morgan Stanley tätig und er selbst brauchte ein paar Jahre, bis er ein erfolgreicher Trader wurde. Zum Traden kam er schon während der Highschool, als er eines Tages mithörte, dass sein Vater und einige seiner Freunde am nächsten Tag Call-Optionen auf Intel kaufen wollten. Obwohl er keinen blassen Schimmer hatte, wovon sie redeten, hörte sich die Sache für ihn irgendwie interessant an. Also kaufte er zehn Calls zu einem Kurs von 75 Cent und veräußerte diese ein paar Tage später zum doppelten Preis. Daraufhin hatte er Blut geleckt und begann zu traden. Nach der Schule nahm er ein Studium an der University of Cambridge in England auf und machte seinen Abschluss in Geschichte und Volkswirtschaft an der University of Texas in Austin. Das Broker-Geschäft faszinierte Carter dabei nie besonders, viel lieber beschäftigte er sich mit dem Testen verschiedener Handelsstrategien. Dank harter Arbeit gelang es ihm schließlich, mit dem Trading Geld zu verdienen. Wie viele seiner Kollegen lernte John Carter seine Lektionen auf die harte Tour, bis er schließlich ein funktionierendes Handelssystem fand. Im Jahr 1998 hängte er seinen Job an den Nagel und begann mit dem Vollzeit-Trading. Nach einigen Jahren war er mit dem einsamen Daytrading in seinem Büro jedoch unzufrieden, sodass er damit anfing, mit anderen Tradern Kontakt aufzunehmen, Informationen auszutauschen und diese dann online zu veröffentlichen. Damit war der Weg für TradeTheMarkets.com geebnet. Heute ist John Carter immer noch aktiv. Er arbeitet als CTA bei Razor Trading, und im Jahr 2006 veröffentlichte er ein Buch namens „Mastering the Trade“.

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  • Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Aktienmarkt und dem Trading in Berührung gekommen?

John F. Carter: Mein Vater Lance hat einen Master in Physik, fand aber schnell heraus, dass man als Wissenschaftler nicht viel Geld verdienen kann. Ein Freund von ihm, der als Börsenmakler tätig war, fragte meinen Vater, ob er nicht auch in die Firma einsteigen wollte. In meiner Jugend sprach er mit mir viel über Aktien und wir schauten uns gemeinsam Aktienkurse von Unternehmen an, die mir geläufig waren, zum Beispiel die des Spieleherstellers Atari. Ich dachte mir anfangs nicht viel dabei. Erst als ich 18 wurde, begann ich mich so richtig für den Kauf und Verkauf von Aktien zu interessieren, weil ich dachte, ich könnte damit ein wenig Geld verdienen. Ich hatte über den Sommer hinweg 1000 Dollar angespart und benutzte das Geld für meinen ersten Trade. Ich kaufte Optionen auf Intel.

  • War der Intel-Trade Ihr erster Trade überhaupt?

John F. Carter: Ja. Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt keine Ahnung, wie eine Option funktioniert. Das Einzige, was ich wusste war: Eine Option bietet die Möglichkeit, an der Bewegung des Aktienkurses zu partizipieren, ohne alle Aktien kaufen zu müssen. Ich verstand die Funktion des Hebeleffekts und das Ganze machte für mich durchaus Sinn. Von der Bewertung von Optionen, dem Zeitwert oder dem Aufgeld hatte ich keine Ahnung, bin damit aber trotzdem immer gut gefahren. Das Einzige, was ich über all die Jahre beim Trading gelernt habe, ist die Tatsache, dass ein „Zuviel“ an Informationen eher von Nachteil ist. Nicht nur, weil man dadurch in eine Art Analyse-Lähmung gerät, sondern auch weil man dadurch unterstellt, dass man mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen kann, welche Richtung die Märkte als nächstes einschlagen werden. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit. Während des Tages schaue ich deshalb überhaupt nicht in die Zeitung und lasse auch den Fernseher aus. Denn das Einzige, was die Medien verraten, ist das, was bereits passiert ist, und nicht das, was passieren wird. Daher schaue ich nur auf die Charts und versuche, alles so einfach wie möglich zu halten.

  • Warum waren Sie sich so sicher, dass Sie mit dem Trading Ihren Lebensunterhalt verdienen können?

John F. Carter: Mein erster Trade war der Beweis dafür. Der Wert der Optionen verdoppelte sich in drei Tagen und ich gewann 1000 Dollar. Für denselben Betrag hatte ich mich den ganzen Sommer über mit einem blöden Job herumgeschlagen. An diesem Punkt war mir klar: Ich will traden. Seltsamerweise verspürte ich nie das Verlangen, Broker zu werden und den typischen Weg zum Fondsmanager an der Wall Street einzuschlagen.

Ich war von Anfang an überzeugt davon, dass das Trading der einzige Weg zur Unabhängigkeit ist. Es ist schließlich eine Tätigkeit, bei der ich selbst über mein Arbeitstempo bestimmen kann und bei der ich keinen Chef über mir habe.

Außerdem kann ich von überall aus handeln und Pausen machen, wann ich will. Das waren die Gründe, warum ich mit dem Trading angefangen habe. Selbstverständlich ist es erfreulich, wenn man beim ersten Trade Geld verdient, aber es ist Fluch und Segen zugleich: Ein Segen, weil es mein Interesse am Trading überhaupt erst geweckt hat, ein Fluch, weil es ziemlich lange gedauert hat, bis ich kapiert habe, dass es nicht immer so einfach sein würde.

  • Erzählen Sie uns bitte etwas über die Hoch- und Tiefpunkte Ihrer Trading-Karriere. Wie lange haben Sie gebraucht, um einen individuellen Handelsansatz zu entwickeln?

John F. Carter: Die ersten acht Jahre meiner Trading-Tätigkeit waren von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Denn wenn ich wette, dann richtig. Ich konnte mehrmals ein Konto von 10 000 Dollar mit dem Einsatz von Optionen in sechsstellige Bereiche treiben. Wenn ich heute auf die damalige Phase zurückblicke, wird mir bewusst, dass ich kluge und weniger kluge Entscheidungen getroffen habe. Klug war es, immer einen Teil des Geldes vom Trading-Konto in Immobilienkäufe zu investieren, um eine Diversifi kation zu erreichen. Anschließend war ich jedoch wie besessen davon, mein Trading-Konto wieder auf eine Million zu hieven. Dann kam ich jedes Mal in Schwierigkeiten und habe Geld verloren. Dies wurde mir erst im Nachhinein bewusst und ich realisierte, welch amateurhaftes Verhalten ich bis dato an den Tag legte: Zu traden, um Geld zu machen, anstatt sich einfach auf ein Setup zu konzentrieren und alles daran zu setzen, dieses Setup so gut wie möglich in die Tat umzusetzen. Wenn du das schaff st, kommen die Gewinne von ganz allein. Als ich das begriff en hatte, kündigte ich meinen Job als Finanzanalyst und begann mit dem Vollzeit-Trading.


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  • Was war aus Ihrer Sicht die wichtigste Lektion, die Sie auf Ihrem Weg zum Profi  gelernt haben?

John F. Carter: Es gibt viele großartige Trading-Regeln wie zum Beispiel „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“, und all diese Regeln sind auch wahr. Das Problem liegt darin, dass ein Trader auf der Stelle all diese Regeln vergisst, sobald er mit der Einstellung „Mit diesem Trade werde ich 1000 Dollar machen“ in den Trade einsteigt. Da hilft es auch nicht, wenn man sich die ganzen Merksätze aufschreibt und direkt neben den Computer klebt. Wenn ein Trader auf seinen Handelsansatz fokussiert ist und diesen perfekt nach seiner Vorgabe ausführt, fügt sich der Rest wie von alleine zusammen. Das Erfolgsrezept ist, sich nicht zu sehr in den gerade laufenden Trade hineinzusteigern. Dieses Fehlverhalten ist weit verbreitet und führt dazu, dass der aktuelle Trade als der wichtigste Trade der Welt erscheint. Instinktiv wissen wir sehr wohl, dass nicht jeder unserer Trades ein Gewinner werden wird. Aber wir neigen dennoch dazu, bei laufenden Trades davon auszugehen, dass dieser positiv abschneiden wird. Genau dieses Denkmuster führt zu dummen Fehlern.

Eine Sache, die mir in dieser Hinsicht sehr geholfen hat, war die Aufzeichnung meiner Trades in Blöcken von 25 Trades. Dadurch war es für mich einfacher, einen Verlust-Trade zu verarbeiten, weil ich sagen konnte: „Das ist nur der Trade 13 von insgesamt 25“. Erst wenn die 25 Trades abgeschlossen waren, habe ich überprüft, ob mein Trading-Konto im Plus oder im Minus lag. Dann machte ich die nächsten 25 Trades und erhöhte gegebenenfalls meine Positionsgröße. Lag ich im Minus, warf ich einen genauen Blick auf meine Stopps. Oftmals verdoppelte ich meine Stopps (und halbierte die Positionsgröße, sodass das Risiko wieder gleich hoch war) und das Setup funktionierte wieder einwandfrei. Die Märkte verhalten sich nicht immer gleich, deshalb sollten Stopps auch immer an die aktuelle Volatilität angepasst werden.

  • Welche Märkte handeln Sie in welcher Zeiteinheit und wie oft? Worin sehen Sie Ihren Vorteil?

John F. Carter: Ich trade Futures auf Intraday-Basis, meistens Aktienindizes (S&P 500, Dow, Russell 2000), Währungen (Euro,  Pfund), Metalle (Gold, Silber), Öl und ein paar Soft Commodities wie Mais und Sojabohnen. Diese Märkte bieten zahlreiche Möglichkeiten im Intraday-Handel. Ich fokussiere mich auf sogenannte „Fading-Strategien“ im Aktienindex- und Währungsbereich (Fading-Pivot-Punkte und die wichtigsten Durchschnittslinien). Bei der Fading-Strategie handelt der Trader gegen den vorherrschenden Markttrend in der Annahme, dass in Kürze ein Trendwechsel bevorsteht. In der Regel werden hierbei Fehlausbrüche oder Gaps gehandelt. Aufgrund des antizyklischen Ansatzes ist das Risiko bei diesem TradingAnsatz sehr hoch. Im Metall-, Öl- und Agrarsektor wende ich Breakout-Strategien an, meist nach Konsolidierungsphasen. Über die Jahre habe ich festgestellt: Je weniger Trades ich mache, desto besser. Lieber nur zwei Intraday Trades, die sauber durchdacht und geplant sind, als jeder kleinen Bewegung hinterherzujagen. Die Märkte werden auch morgen noch da sein, also gibt es überhaupt keinen Grund, jedem verpassten Trade nachzutrauern, weil man denkt, es wäre die letzte Gelegenheit überhaupt. Man muss einfach geduldig sein.

Bei meinen Charts bevorzuge ich Tick-Charts, zum Beispiel auf 500-Tick-Basis.

Gerade für die ruhige Übernachtphase eignet sich diese Einstellung viel besser als ein gewöhnlicher 5-Minuten-Chart. Beim Handel mit Aktienoptionen verwende ich Stunden- und Tagescharts und halte Ausschau nach Stellen, an denen beide Zeiteinheiten eine Übereinstimmung zeigen. Zum Beispiel: Wenn der Tageschart bullisch ist, ignoriere ich bärische Setups im Stundenchart und warte lieber, bis der Stundenchart wieder im Gleichklang mit dem Tageschart ist.

  • Nennen Sie uns bitte Ihre wichtigsten Trading-Regeln.

John F. Carter: Aber gern. Hier sind sie:

  1. Betrachte immer mehrere Zeiteinheiten und behalte die höhere Zeiteinheit im Hinterkopf.
  2. Benutze Limit-Orders, um deine Trades stets zu planen.
  3. Führe weniger Trades durch, die dafür sehr gut geplant und durchdacht sind.
  4. Riskiere nie mehr als fünf Prozent deines Kapitals bei einem einzigen Trade.
  5. Erfüllt ein Trade nicht die Kriterien, lasse ihn aus.
  6. Sei dir bewusst, dass das Stehen an der Seitenlinie auch eine Entscheidung ist.
  7. Bleibe ruhig, wenn du einen Einstieg verpasst – die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.
  8. Im Zweifelsfall lieber den laufenden Trade beenden („if in doubt, get out“).

Ich bekomme zahlreiche Depotauszüge zu Gesicht und die traurige Wahrheit ist: Jeder, der Geld verliert, hält sich nicht an die oben genannten Regeln.

Doch wenn man die Regeln befolgt, ist man der Masse schon ein gutes Stück voraus. Genau das gilt es zu erkennen. Es ist, als wenn jemand zum Arzt geht, seinen Ellbogen nach oben bewegt und sagt: „Herr Doktor, immer wenn ich mit meinen Ellbogen diese Bewegung mache, tut es weh“. Und der Arzt sagt daraufhin: „Dann machen Sie diese Bewegung einfach nicht mehr“. Analog dazu wären viele Trader ebenfalls besser beraten, wenn sie einfach bestimmte Dinge unterlassen würden.

  • Wie sehen Ihre konkreten Trading-Strategien beziehungsweise Setups aus?

John F. Carter: Ich konzentriere mich bei einem Teil des Tages auf Scalp Trades, bei denen ich am Markt hinein- und wieder herausspringe und mir so einen kleinen Anteil erhandle. Gleichzeitig investiere ich Zeit in das Aufspüren potenziell größerer Bewegungen auf Intraday-Basis, aber auch auf Sicht von mehreren Tagen und Wochen. Ich benutze ein Konto für Scalp Trades und ein anderes für Swing Trades. Sogenannte „Box- und Squeeze Setups“ (Erklärung folgt später) können sowohl im Scalping als auch im Swing Trading eingesetzt werden. Bei den Charts nehme ich die 5- und 15-Minuten-Einstellung für Scalp Trades, bei Swing Trades kommt eine Kombination aus 60-Minuten- und Tageschart zum Einsatz. Die Box- und Squeeze Setups signalisieren mir, dass die Märkte in den ruhigen Modus umschalten. Sie tun dies, weil sie Energie für die nächste kraftvolle Kursbewegung tanken. Ich möchte in solchen Situationen natürlich auf die anstehende Bewegung vorbereitet sein. Beide Setups helfen mir, aus den Ebbe- und Flut-Phasen an den Märkten Vorteile zu ziehen. Quelle: Traders' Mag.

Teil 2 des Interviews mit John F. Carter lesen.


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