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Jens Radoske: So handeln sie Kurslücken profitabel

Aktien-Trading.

Was sind Gaps und wodurch entstehen sie? Unter einem Gap verstehen wir eine nennenswerte Kurslücke zwischen dem gestrigen Schlusskurs und dem heutigen Eröffnungskurs (Bild 1). Prinzipiell können solche Kurslücken in allen Instrumenten auftreten, die nicht 24 Stunden ohne Unterbrechung gehandelt werden. Das gängigste Beispiel sind Aktien, und darauf werden wir uns auch in diesem Artikel beschränken. Amerikanische Aktien beispielsweise beenden ihren regulären Handel um 22:00 Uhr deutscher Zeit. Wenn nun in der handelsfreien Zeit, also bis zur regulären Eröffnung am Folgetag um 15:30 Uhr deutscher Zeit, wichtige Neuigkeiten veröffentlicht werden, kommt es häufig zu den Gaps, die wir für unsere Handelsstrategie suchen.

Bild 1. Gap im tages-Chart. Das Schema zeigt ein typisches, ausreichend großes Gap im Tages-Chart, das mit der vorgestellten Strategie gehandelt werden kann. Jede Kerze entspricht hier einem Handelstag. 

Aktien-Trading.

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Neben den schwer vorhersehbaren News wie beispielsweise Adhoc-Meldungen interessieren wir uns insbesondere für die planmäßigen News im Rahmen der Quartalsberichterstattungen der großen Aktiengesellschaften. Die Zeiträume, in denen ein Großteil der Unternehmen ihre Quartalszahlen vorlegen, sind von vornherein bekannt, sodass man sich als Trader sehr gut darauf einstellen kann. Die für uns entscheidenden US-amerikanischen „Earnings Seasons“ beginnen viermal jährlich mit der Vorlage der Geschäftszahlen von Alcoa und dauern jeweils etwa sechs Wochen.

WAS IST DIE IDEE DER HANDELSSTRATEGIE?

Wir betreiben keine Fundamentalanalyse, sondern markttechnisches Kurzfrist-Trading. Die Idee der hier vorgestellten Strategie ist es deshalb nicht, Informationen über die Lage des Unternehmens auszuwerten. Es ist nicht das Ziel abzuschätzen, wie die Geschäftszahlen wohl ausfallen werden, um uns vor der Veröffentlichung entsprechend in der Aktie zu positionieren. Wir interessieren uns ausschließlich für das, was nach dem Gap mit der Aktie passiert.

Wie können wir nun als Trader herausfinden, was voraussichtlich nach dem Auftreten des Gaps passieren wird? Ein Ansatz wäre, die neuen Informationen, die soeben veröffentlicht wurden, in die Bewertung des Unternehmens einfließen zu lassen und damit einen Abgleich zwischen den aktualisierten Fundamentaldaten des Unternehmens und seinem jetzigen Kursniveau vorzunehmen. Dieser Ansatz ist für uns als kurzfristig orientierte Trader nicht zielführend. Zum einen sind wir dazu gar nicht in der Lage, weil wir mit dem Unternehmen nicht ausreichend vertraut sind und wir als Trader auch gar nicht die nötigen Kenntnisse für eine seriöse Fundamentalanalyse mitbringen. Zum anderen würde es uns auch gar nichts bringen, weil wir die Situation ja intraday handeln wollen. Wir wollen also auf die Entwicklung des Kurses in den nächsten Minuten oder Stunden spekulieren. Eine Fundamentalanalyse ist wichtig für die sehr langfristige Einschätzung der Kursentwicklung, also über mehrere Monate und Jahre. Für die Prognose, was in den nächsten Minuten und Stunden passieren könnte, ist sie hingegen nicht geeignet.


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Für unseren kurzfristigen Zeithorizont ist es hilfreicher, sich in die Positionierung der Marktteilnehmer hineinzuversetzen. Angenommen, wir finden einen deutlichen Kurssprung nach oben vor (ein sogenanntes Aufwärts-Gap). Jetzt könnte es sein, dass Marktteilnehmer die Aktie unbedingt kaufen oder aufstocken wollen, weil es ja offensichtlich positive Neuigkeiten vom Unternehmen gibt. Das würde für weiter steigende Kurse sprechen. Genauso gut könnte es allerdings sein, dass die Aktie aus uns nicht bekannten Gründen bereits zum Verkauf vorgemerkt war und viele Investoren jetzt das höhere Kursniveau nutzen, um sich von der Aktie zu trennen. Das würde für fallende Kurse sprechen; für ein sogenanntes Gap Closing, also für ein Schließen der Kurslücke.

Bei einem Abwärts-Gap sieht es ähnlich aus. Es könnte sein, dass Investoren wegen der offensichtlich schlechten News so schnell wie möglich verkaufen wollen. Nach dem Motto: Schnell raus aus der Aktie, bevor sie noch weiter fällt. Die Verkäufe dieser Investoren würden für weiter fallende Kurse sprechen. Es ist aber genauso gut denkbar, dass große Investoren die Aktie für langfristig aussichtsreich halten und diese schon seit Längerem für einen Kauf in Erwägung ziehen. Diese Marktteilnehmer könnten das jetzt stark gesunkene Preislevel für einen günstigen Einstieg nutzen, was natürlich für steigende Kurse sprechen würde.

MIT DER STROM ODER DAGEGEN?

Sollen wir auf eine Fortsetzung der Entwicklung spekulieren, also in Richtung des Gaps? Es heißt ja immer, dass man mit dem Strom schwimmen sollte. Oder sollen wir doch eher darauf spekulieren, dass sich das Gap schließt? „Irgendwann schließen sich doch alle Gaps“, hört man immer wieder als Floskel unter Tradern. Oder sollen wir noch weitere charttechnische Informationen heranziehen, beispielsweise das Ausmaß des Gaps oder das übergeordnete Chart-Bild?

Wir wissen nicht, was nach dem Gap passiert. Und wir müssen es auch gar nicht wissen. Die Situation ist trotzdem hochinteressant für uns als Trader. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es potenzielle Schieflagen von größeren Marktteilnehmern gibt. Mit Schieflagen ist gemeint, dass diese Marktteilnehmer aufgrund der geänderten Informationslage unbedingt ein- oder aussteigen wollen oder sogar müssen. Da diese Marktteilnehmer große Stückzahlen handeln, folgt daraus ein hoher Kauf- oder Verkaufsdruck auf die Aktie.

Wir wissen also kurz nach Markteröffnung noch nicht, in welche Richtung der Kurs sich entwickeln wird. Was wir allerdings wissen, ist Folgendes: Wenn der Kurs erstmal eine Richtung einschlägt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass weitere Bewegung in diese Richtung entsteht. Bewegung, die von den Käufen oder Verkäufen der Marktteilnehmer erzeugt wird, die ihre beschriebene Schieflage abbauen.

AUFFINDEN AUSSICHTSREICHER GAP-SITUATIONEN

Wie eingangs erwähnt, finden wir besonders viele GapSituationen in den Wochen der Earnings Seasons. Interessant ist insbesondere der amerikanische Aktienmarkt, weil die Anzahl der ausreichend liquiden Aktien hier um ein Vielfaches höher ist als in anderen Ländern. Für das Auffinden der entsprechenden Aktien bietet sich die Verwendung von Scannern an. Solche Scanner kann man auf Webseiten, in jeder guten Chart-Software oder auch in der Handelsumgebung vieler Broker vorfinden. Potenzielle Gap-Kandidaten fallen oft schon durch ein vorbörslich sehr hohes Handelsvolumen zum deutlich veränderten Preis auf, sodass wir uns die interessanten Aktien bereits vor der regulären Börseneröffnung zurechtlegen können.

WIE HANDELT MAN EINE GAP-SITUATION INTRADAY?

Haben wir eine interessante Gap-Situation gefunden, öffnen wir den Chart dieser Aktie in einem 1-Minuten-Chart. Da wir wie gesagt nicht wissen, in welche Richtung sich der Kurs nach dem Gap bewegen wird, unternehmen wir erstmal nichts, sondern warten auf eine initiale Dynamik, also auf ein deutliches Wegdriften von der Tageseröffnungslinie. Wenn wir diese Dynamik beobachtet haben, springen wir allerdings nicht auf die gesehene Bewegung auf, sondern warten auf einen Rücklauf, ein sogenanntes Retracement. Erst wenn diese beiden Faktoren vorliegen, können wir unseren Trade und die Positionsgröße planen. In unserem Beispiel in Bild 2 handelt es sich um einen Short Trade, also eine Spekulation auf fallende Kurse.


Trading Demo.


Bild 2. Prozyklischer intraday-Handel im 1-Minuten-Chart. Bild 2 zeigt schematisch den Short-Einstieg und den Stopp im Falle einer prozyklischen Entwicklung, bei der die initiale Dynamik weiter in Gap-Richtung läuft. Jede Kerze entspricht hier einer Minute. Nach der initialen Dynamik warten wir auf einen Rücklauf, bevor wir einsteigen. Wir eröffnen unseren Short Trade erst dann, wenn die Aktie ein neues Tief markiert und zwar mithilfe einer StoppSell-Order unterhalb des Tiefs. Am temporären Hoch setzen wir unseren InitialStopp. Läuft der Trade wie geplant, sollte man den Stopp nachziehen und/oder Teilgewinne mitnehmen. Bei Letzteren ist es sinnvoll, sie an bestimmten ChartMarken oder an sogenannten R-Vielfachen mitzunehmen. Beim Trailing-Stopp bietet es sich an, diesen im Falle eines Short Trades an im Trendverlauf entstehenden temporären Hochs zu platzieren. Dazu zieht man den Stopp immer dann auf das letzte temporäre Hoch, wenn der Kurs ein neues Tief erreicht. Analog gilt das Gleiche umgekehrt für prozyklische Long Trades. 

Gap Trading.

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EINSTIEG

Wir eröffnen unseren Trade erst dann, wenn die Aktie ein neues Tief markiert (Umgekehrt für Long Trades). Auf diese Weise bekommen wir eine weitere Bestätigung für eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Markt weiter in diese Richtung wegkippt. Wir versuchen, uns zu positionieren, bevor weitere Verkäufe von anderen Marktteilnehmern stattfinden. In unserem Falle könnten das zum einen Investoren sein, die schnell noch verkaufen wollen, weil sie weiter fallende Kurse befürchten. Zum anderen könnten das aber auch Trader sein, die nach dem Gap auf steigende Kurse gesetzt haben und jetzt ihre Position schließen müssen, weil sie falsch liegen. Für die beiden genannten Interessengruppen entsteht bei Unterschreiten des Tagestiefs zunehmender Handlungsdruck, sodass deren noch abzusetzende Verkaufsorders unsere bestehende Short-Position in den Gewinn treiben sollen.

RISIKO-MANAGEMENT UND STOPP

Da wir einen Rücklauf abgewartet und die Position erst bei einem neuen Tief eröffnet haben, ergibt sich durch das temporäre Hoch ein sehr guter Stopppunkt. Der Stopppunkt ist der Preisbereich, in dem wir unseren Trade beenden, falls er gegen uns läuft. Es ist elementar wichtig, vor jeder Trade-Eröffnung solch einen Stopp zu haben, bei dessen Erreichen man nicht mehr in dem Trade sein will und deshalb den Verlust realisiert. Dadurch dass bereits vor Trade-Eröffnung Einstiegskurs und schlechtmöglichster Ausstiegskurs feststehen, können wir unsere Positionsgröße so wählen, dass daraus das gewünschte Risiko resultiert:

TARGETS ZUR GEWINNREALISIERUNG

Da sich der beschriebene Druck nach und nach abbaut, ist es eine gute Idee, auch an Gewinnmitnahmen zu denken. Insbesondere für Händler, die noch nicht so viel Erfahrung im kurzfristigen Trading haben, ist es sinnvoll, Gewinnziele (Targets) zur Gewinnrealisierung in den Markt zu legen. Ob man diese Target-Orders an bestimmten Chart-Marken oder an sogenannten R-Vielfachen platziert, ist dabei eine sehr individuelle Angelegenheit. Erfahrungsgemäß findet man hier nach und nach seine persönlichen Präferenzen.

STOPPVERWALTUNG

Solange man eine Position im Markt hat, muss natürlich die zugehörige Stopp-Order verwaltet werden. Hier bietet es sich an, die im Trendverlauf entstehenden temporären Hochs zu verwenden. Dazu zieht man den Stopp, wie in Bild 3 gezeigt, immer dann auf das letzte temporäre Hoch, wenn der Kurs ein neues Tief erreicht. Der Trade ist beendet, wenn das letzte Target erreicht oder die Stopp-Order ausgelöst wird. Analog gilt das für Long Trades.

Bild 3. Antizyklischer intraday-Handel im 1-Minuten-Chart. Bild 3 zeigt schematisch den Long-Einstieg und den Stopp im Falle einer antizyklischen Entwicklung, bei der die initiale Dynamik entgegen der Gap-Richtung läuft. Nach der initialen Dynamik warten wir auf einen Rücklauf, bevor wir einsteigen. Wir eröffnen unseren Long Trade erst dann, wenn die Aktie ein neues Hoch markiert und zwar mithilfe einer Stopp-Buy-Order oberhalb des Hochs. Am temporären Tief setzen wir unseren Initial-Stopp. Läuft der Trade wie geplant, sollte man den Stopp nachziehen und/oder Teilgewinne mitnehmen. Analog gilt das Gleiche umgekehrt für antizyklische Short Trades. 

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FAZIT

Die in den Gap-Situationen häufig aufkommende starke Dynamik bietet dem Trader sehr gute Chancen. In diesem Artikel können natürlich nur die groben Grundzüge der Handelsstrategie erklärt werden. In der täglichen Praxis gibt es sehr viele Details, die dringend beachtet werden müssen. Beispielsweise erfordert es eine gewisse Erfahrung abzuschätzen, ob die Aktie hinreichend liquide und stabil ist. Zudem gibt es diskretionäre Elemente, anhand derer Trader diese Basisstrategie an ihre eigenen Bedürfnisse und ihr individuelles Risiko- und Money-Management anpassen können. Insbesondere das Risiko-Management ist sehr individuell und auch von den jeweiligen Marktbedingungen abhängig, sodass wir keine pauschalen Angaben zum empfohlenen Risiko je Trade machen können.

Jens Radoske

Jens Radoske Trader

Jens Radoske beschäftigt sich seit 1998 mit den Kapitalmärkten und arbeitet heute erfolgreich als Privat-Trader. Neben seinem Trading unterstützt er angehende Händler dabei, ihren Weg in das erfolgreiche Trading zu finden. Quelle: Traders' Mag.


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