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Die Gartley Pattern: Eine Power-Strategie

Garley Patterns und Fibonacci.

Simples Trading, Chart-Archäologie oder geniale Mathematik? Eingangs sollten Sie einen Moment lang über folgendes Zitat des besessenen Börsenmathematikers Max Cohen aus dem großartigen Film „Pi” nachdenken:

„1. Mathematik ist die Sprache der Natur. 2. Alles um uns herum lässt sich durch Zahlen wiedergeben und verstehen. 3. Stellt man die Zahlen eines beliebigen Systems grafisch dar, entstehen Muster. 4. Folgerung: Überall in der Welt existieren Muster.” 

Max Cohen ist besessen davon, eine Formel zu finden, mit der er jeden x-beliebigen Aktienkurs auf die Dezimalstelle genau prognostizieren kann. Dabei setzt er sich mit der Zahl Pi, den Fibonacci-Zahlen, kabbalistischen Juden und zu guter Letzt mit großen Wallstreet-Firmen auseinander, die von seiner nahenden Entdeckung Wind bekommen haben. Es ist ein ehrgeiziges Unterfangen, den gesamten Markt vorhersehen zu können – eine gute Filmstory eben – aber Max Cohens Grundannahmen lassen sich durchaus praktisch anwenden, wie Sie anhand der Gartley Pattern sehen werden.

EXKURS: FIBONACCI

Begutachten wir zuerst Folgendes: Die Fibonacci-Zahlenreihe ist eines der am häufigsten wiederkehrenden mathematischen Muster in der Natur. Es findet sich bei der Ausbreitung von Schwarmpopulationen genauso wie in der Anordnung der Kerne in einer Sonnenblumenblüte. Die FibonacciZahlenreihe lässt sich dabei denkbar einfach beschreiben. Jedes nächste Element ist die Summe der beiden vorhergegangenen: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, und so weiter.

Der weitaus wichtigere Aspekt dieser Reihe ist jedoch, dass die durch zwei aufeinander folgende Elemente gebildeten Brüche (zum Beispiel 13/21) den so genannten „Goldenen Schnitt” annähern. Der Goldene Schnitt beschreibt das „harmonische Verhältnis”, in dem zwei Längen zueinander stehen können: 1,618:1. Der menschliche Körper weist unzählige dieser Verhältnismäßigkeiten auf, beispielsweise an den Fingergelenken. Aber auch Muschelschalen oder Bienenwaben, ja sogar Galaxien wie unsere Milchstraße, entstehen gemäß des Goldenen Schnittes.

Das Interesse gilt primär jedoch den Märkten und Charts. Auch hier lassen sich Muster beobachten, die auf dem Goldenen Schnitt und damit auf der Fibonacci-Zahlenreihe gründen. Nicht umsonst ist es das, was Max Cohen in „Pi“ verfolgt. Fibonacci-Retracements sind ein beliebtes Werkzeug in der Technischen Analyse, denn durch sie kann man auf Charts sehr schnell Stellen ausfindig machen, an denen ein Verhältnis von 1,618:1 aufgetreten ist. Damit dürften Sie vertraut sein. Weniger bekannt sind hingegen Patterns, die nach fest defi nierten Fibonacci-Verhältnismäßigkeiten entstehen und funktionieren.

HERKUNFT UND GESCHICHTE

Die Gartley Pattern geht, dem Namen nach, auf ihren Entdecker H. M. Gartley zurück, der deren Grundstruktur bereits 1935 in seinem Buch „Profi ts in the Stock Market” beschrieben hat. Sie wird, gemeinsam mit einigen anderen exotischen Patterns, in der Gruppe der Harmonischen Patterns geführt und gilt als deren älteste und bekannteste. Harmonische Patterns sind Chart-Muster, die sich aus einer Sequenz möglichst exakter Fibonacci-Retracements zusammensetzen.

Interessant ist, dass zum Zeitpunkt von Gartleys Publikation das Konzept der Retracements vollkommen unbekannt war und dort keine explizite Erwähnung fi ndet. Die ursprünglichen Verhältnisse in der Gartley Pattern weichen dadurch ein wenig von den exakten Fibonacci-Retracements ab, mit denen sie heute beschrieben wird.

DEFINITION UND AUFBAU

In Bild 1 ist eine mustergültige bullische Gartley Pattern abgebildet. Nachdem es nach einer beliebigen Aufwärtsbewegung (XA) zu einem Top kommt, muss der Kurs zuerst möglichst exakt um 61,8 Prozent korrigieren (AB, blau). Die danach eingeleitete Gegenbewegung sollte erneut eine Korrektur im Verhältnis von mindestens 61,8 Prozent, maximal 76,4 Prozent ausmachen (BC, braun). Das dann folgende letzte Stück (CD, grün) sollte jedoch mindestens zu 161,8 Prozent größer sein als das vorhergegangene und im Punkt D bei zirka 76,4 Prozent Korrektur der gesamten Höhe der Pattern (XA) abschließen. Punkt D beschreibt gleichermaßen den Einstieg in eine Long-Position.  Das mag nun alles ein wenig exotisch und konfus erscheinen, aber Sie werden nach kurzer Zeit und mehrmaligem Hinsehen keine Probleme mehr damit haben. Das Einzige, was zum Entstehen einer Gartley Pattern von Nöten ist, sind somit die korrekten Verhältnisse der Kursbewegungen und Gegenbewegungen. Daraus folgt, dass Gartley Patterns, unabhängig vom aktuellen Kursgeschehen oder diversen technischen Indikatoren, auf praktisch jedem Chart bei jedem Underlying und jedem Zeitrahmen auftreten können.

Bild 1. Bullische Gartley Pattern. Hier sehen Sie den theoretischen Aufbau einer Gartley Pattern: Eine beliebige Bewegung korrigiert 61,8 Prozent, dann wieder 61,8 Prozent, dann 161,8 Prozent – insgesamt also zirka 76,4 Prozent der ursprünglichen Bewegung.

Garley pattern.

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VEREINFACHUNG UND HANDHABUNG

Es ist ein komplexes und zeitaufwändiges Unterfangen, Gartley Patterns exakt nach den eben erwähnten Defi nitionen zu ermitteln, da man viele Fibonacci-Linien anlegen muss, Gartley Patterns schwer zu fi nden sind und man eventuell trotzdem einen zu großen Freiraum für Interpretationen bekommt. Folgt man strikt den Defi nitionen, dann hat man vielleicht eine schöne Formation entdeckt, jedoch stellen sich die Fragen, wo man einsteigen soll, wo der Stopp liegt und wann eine Gartley Pattern vollkommen oder unvollkommen ist. Denken Sie daran, Sie sind Trader, kein Archäologe! Für eine ganzheitliche strategische Anwendung der Gartley Pattern ist es demnach unabdingbar, diese off enen Fragen zu klären – egal wie galant diese Formation ist.

Analog zur bullischen Gartley Pattern existiert eine bärische Gartley Pattern, die genau spiegelverkehrt anwendbar ist und auf Short-Trades abzielt, wie in Bild 2 dargestellt. Sie sehen, dass statt wie in Bild 1 drei nur noch ein FibonacciRetracement anliegt. Im Grunde genommen reicht das auch, denn wenn man einmal nachrechnet, genügen die 23,6-Prozent- und 76,4-Prozent-Retracements, um die Lage der Punkte C und D zu ermitteln. Konkret: X und A defi nieren die vollen 100 Prozent. B sollte möglichst exakt 61,8 Prozent korrigieren, also auf 38,2 Prozent laufen. Findet hier zum Punkt C wieder eine Gegenbewegung mit 61,8 Prozent statt, landet man beim ursprünglichen 76,4-Prozent-Retracement. 76,4 Prozent sind sozusagen ein Goldener Schnitt zweiter Ordnung. Nachdem per Defi nition für die Lage des Punktes C eine leichte Toleranz besteht, soll die Box in Bild 2 dessen etwaige Lage verdeutlichen. Ähnlich verhält es sich mit Punkt D, der bekanntermaßen über das 23,6-Prozent-Retracement laufen sollte – ebenfalls als Fläche hervorgehoben.

Bild 2. Bärische Gartley Pattern. Anhand dieser Bärischen Muster-Pattern soll verdeutlicht werden, dass eine vereinfachte Defi nition das eigentliche Trading deutlich erleichtert. Punkt B ist eine 61,8-Prozent-Korrektur, die Punkte C und D halten sich in Zonen um 23,6 Prozent und 76,4 Prozent auf.

Garley und Fibonacci.

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GARTLEY PATTERNS IN DER PRAXIS

Zur Veranschaulichung dieser umfangreichen Theorien lohnt es, sich ein Beispiel aus der Praxis zu betrachten. In Bild 3 finden Sie den Tages-Chart des britischen Blue Chips Tate & Lyle. Auf diesem Chart sehen Sie eine waschechte – bullische – Gartley Pattern. Sie beginnt mit einer herkömmlichen Aufwärtsbewegung (erster Kreis, 100 Prozent, Punkt A). Von diesem Top aus korrigiert der Kurs beinahe exakt 61,8 Prozent (zweiter Kreis, 38,2 Prozent, Punkt B). Der Kurs dreht und durchbricht die übergeordnete Retracement-Linie (dritter Kreis, 76,4 Prozent, Punkt C). Allerdings wird das Hoch nicht erreicht und der Kurs kippt erneut nach unten. Mit dem Stoß durch die 23,6-Prozent-Retracement-Linie (vierter Kreis, Punkt D) ist die Gartley Pattern fertig ausgebildet. Bei 378,45 liegt der ideale Einstiegspunkt. Keine Strategie ohne Stopp: Dieser liegt bei 363,06 (Punkt X, 0 Prozent).

Bild 3. Beispiel Tate & Lyle, Tages-Chart. Dieser Chart zeigt eine bullische Gartley Pattern, die sich fast idealtypisch gebildet hat. Die Handelssystematik erkennt hier einen eindeutigen Einstieg. Zusammen mit Stopp und Ziel konnte man hier Gewinn verbuchen.

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Sofern Punkt A mit 428,28 als Kursziel definiert ist, steigt man dort nach nur fünf Tagen Haltedauer mit gutem Gewinn aus. In Zahlen: Zirka 50 Punkte Profi t bei ungefähr 15 Punkten Risiko. Dabei könnte man diese Strategie erweitern, indem man ein weiter entferntes Kursziel avisiert oder den Ausbruch über Punkt A ganz klassisch tradet. Der durch die erfolgreich abgeschlossene Gartley Pattern entstandene Gewinn könnte hierbei dann als hervorragender Risiko-Puff er dienen. Sie sehen, das hier ist keine abgeschlossene Strategie, sondern eine Art Grundbaustein, der sich beliebig erweitern und systematisieren lässt. Sie erinnern sich: „Überall in der Welt existieren Muster.” Es gilt, diese zu erkennen und gewinnbringend umzusetzen.

BEISPIEL 2 – KEINE HEKTIK!

In Bild 4 sehen Sie eine weitere exemplarische Gartley Pattern, diesmal eine bärische im Chart von Lloyds TSB, einem weiteren britischen Blue Chip aus dem FTSE Index. Wenn Sie diesen Chart kurz betrachten, wird er sich für Sie nun selbst erklären. Nach den glänzend ausgeprägten ersten vier Kreisen (Punkte A, B, C, D) konnte man getrost short bei 476 einsteigen. Interessanterweise wiederholte sich die C-D-Bewegung fast identisch. Das ist jedoch kein Grund zur Sorge, sondern soll viel mehr unterstreichen, dass Patterns jeglicher Art nicht immer zwingend exakt weiterlaufen müssen, sind sie einmal entstanden. Trading ist keine exakte Wissenschaft und die Märkte sind stets launisch.

Sofern Stopp und Ziel mit Einstieg jedoch fest defi niert sind, gibt es keinen Grund, hektisch zu werden – denn am Ende lieferte auch diese Gartley Pattern einen stattlichen Gewinn. Sehen Sie doch einmal nach, wo Lloyds TBS heute steht!

Bild 4. Beispiel Lloyds TSB, Tages-Chart. Diese bärische Gartley Pattern ist ihrem Anschein nach untypisch, funktionierte mit ein wenig Geduld jedoch genau so gut wie diejenige aus Bild 3. Wenn die Strategie steht, gibt es keinen Grund zur Panik. 

Beispiel Garley Pattern.

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FAZIT

Es ist nicht höflich, das Ende eines Films vorweg zu nehmen, aber für die abschließende Veranschaulichung dieses Artikels muss einmal eine Ausnahme gemacht werden.

Max Cohen scheitert mit seinem Versuch, erleidet epileptische Anfälle und kommt schließlich zur Besinnung, die Wallstreet-Firmen gehen leer aus und auch die traditionalistischen Juden müssen sich leider mit nichts zufrieden geben. Es ist eine Utopie, jede Marktbewegung exakt vorherzusagen, egal wie groß dieses Zahlenwerk ist und wie viele Muster sich darin vielleicht erkennen lassen. Dennoch ist die Idee der Zahlen und Muster durchaus treff end, wie man anhand der Fibonacci-Parallelitäten in der Natur und den Charts sieht.

Die Gartley Pattern ist ein Beleg dafür, wie sich aus einzeln auftretenden Mustern Profit schlagen lässt. Leider genügt jedoch eine Laune der Natur alleine nicht, man muss diesen Ansatz in eine ganzheitliche Strategie einschließen. Dies involviert Stoppsetzung, Zielbestimmung und stringentes Risiko-Money-Management.

Denken Sie daran, dass Sie nichts exakt beweisen oder prognostizieren müssen. Sie sind schließlich Trader und kein Mathematiker! Quelle: Traders' Mag.


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