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So einfach kann Trading sein. Trading mit Gleitenden Durchschnitten

Torrero Trading mit Wieland Arlt.

Viele Trader kennen das: Im Laufe der Trader-Karriere wird eine Vielzahl von Indikatoren auf ihre Relevanz hin geprüft, es wird an Einstellungen gefeilt und nach Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Indikatoren Ausschau gehalten. Im Ergebnis stellt sich der Monitor eines Traders dann oftmals recht unübersichtlich dar. Das Fenster mit dem eigentlichen Kursgeschehen ist dann nur noch eines von vielen. Überall blinkt es, die unterschiedlichen Indikatoren bilden Wellen und Linien, mal gibt es einen Gleichlauf, mal widersprüchliche Signale. Es wird zurückgetestet, optimiert und gefeilt, bis schließlich ein eigener Indikator entwickelt wird. Aus dem klaren Blick auf das Kursgeschehen ist eine Wissenschaft mit einer Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten geworden. Dass es im Trading auch anders geht und erfolgversprechende Strategien mit einfachen Konzepten und Mitteln entwickelt werden können, soll dieser Artikel zeigen.


Traden wie Wieland Arlt.

Wieland Arlt ist Coach und Trainer. Seit mehreren Jahren handelt er aktiv auf kurzfristigen Zeitebenen. Nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre arbeitete er mehrere Jahre im Vertrieb. Quelle: Traders' Mag.

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Eine der bekanntesten Trader-Weisheiten lautet: „The trend is your friend“. Jeder, der schon einmal als Trendfolger gehandelt hat, kann dies mit Sicherheit bestätigen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, einen Trend zu defi nieren – sei es die klassische Dow-Theorie über steigende beziehungsweise fallende Hochs und Tiefs oder die mathematisch anspruchsvollere lineare Regression. Und natürlich gibt es für Trader auch die Möglichkeit, in ihrem Chartprogramm manuell Trendlinien zu ziehen. Eine sinnvolle Ergänzung hierzu sind die Gleitenden Durchschnitte. Von den Berechnungsmöglichkeiten gibt es eine Vielzahl von Varianten, uns soll an dieser Stelle der einfache Gleitende Durchschnitt, im Folgenden nur Gleitender Durchschnitt oder GD genannt, genügen. Schließlich sind wir hier ja an einfachen Konzepten interessiert. Der einfache Gleitende Durchschnitt wird ganz schlicht als Durchschnittskurs einer bestimmten zurückliegenden Periode berechnet.

Wo ist nun der Vorteil in der Anwendung von Gleitenden Durchschnitten? Wenn Sie es besonders einfach und übersichtlich mögen, können Sie sich auf einen einzelnen Gleitenden Durchschnitt in Ihrem Chart beschränken und werden dennoch dieselben Informationen haben wie ein Trader, der mehrere Indikatoren zur Signalgebung verwendet. Dieser einfache Indikator – und nichts anderes ist ein Gleitender Durchschnitt – hält eine Vielzahl von Informationen bereit, die für ein erfolgreiches Trading wichtig sind.

Schauen wir uns das im Detail an. Für unser Beispiel am DAX im 5-Minuten-Chart (Bild 1) haben wir die Einstellung mit 20 Zeiteinheiten gewählt, also einen GD20. Was können wir auf dem Chart erkennen? Der Kurs ist über den Gleitenden Durchschnitt gestiegen, das heißt, der aktuelle Kurs ist höher als der durchschnittliche der letzten 20 Kurse. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass die Trendrichtung aufwärtsgerichtet ist. Was können wir noch ablesen? Der Kurs bewegt sich von seinem Gleitenden Durchschnitt weg, korrigiert oder konsolidiert den Anstieg bis zu seinem Gleitenden Durchschnitt und steigt dann wieder auf neue Hochs. Hier haben wir es also defi nitiv mit einem Aufwärtstrend zu tun. Der Gleitende Durchschnitt verläuft in einem steilen Winkel. Der Markt ist in einem steilen Aufwärtstrend, es herrschen Kaufdruck und hohe Dynamik. Der Kurs hat in den Perioden nach 12:00 Uhr sogar einen off ensichtlich großen Abstand zu seinem GD20. Sie brauchen jetzt keinen Oszillator mehr, um zu erkennen, dass der Markt überkauft und anfällig für Korrekturen ist. Neben dem GD20 gibt es noch weitere wichtige Varianten für eine Betrachtung des Marktes: für eine langfristige Perspektive eignet sich vor allem der GD200, für eine kurzfristige Betrachtung der GD8. Wichtig ist, dass Sie die Signale Gleitender Durchschnitte in allen Zeitfenstern als relevant betrachten können – ganz gleich, ob Sie kurzfristig im 5-Minuten-Chart oder langfristig auf Monatsbasis handeln. Will man nun etwas tiefer in das Trading mit Gleitenden Durchschnitten einsteigen, lassen sich GD200, GD20 und GD8 ideal miteinander kombinieren.

Bild 1: DAX im 5-Minuten-Chart. Mit Überschreiten des GD20 beginnt der DAX eine Aufwärtsbewegung und kommt nach impulsiven Schüben regelmäßig an den GD20 zurück. Nachdem er seinen Durchschnittswert erreicht hat, steigt der Kurs zu neuen Hochs an, um dann wieder an den Durchschnitt zurückzufallen. Nachdem der GD20 erstmals unterschritten wurde, zeigt sich eine erste Schwäche in einer Seitwärtsbewegung. Es wurde kein neues Hoch mehr erreicht, was die Schwäche bestätigte. Anschließend fi el der Markt tiefer.

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DAS TRADING MIT GDs – HANDELSANSÄTZE

Schritt 1: Bleiben wir bei dem obigen Beispiel im DAX-Chart auf 5-Minuten-Basis. Der Trend ist steil und intakt. Welche Möglichkeit gibt es jetzt, einen sinnvollen Einstieg in den Trend zu fi nden? An dieser Stelle gibt es mehrere Möglichkeiten. Sie können beispielsweise die Ausbrüche aus den Konsolidierungen oder letzten Hochs handeln. Aus Sicht eines besseren Chance/Risiko-Verhältnisses bietet sich allerdings eher der Einstieg nach einem Rücksetzer an. Doch wo könnte dieser Einstiegspunkt sein?

Kurse tendieren dazu, nach starken Bewegungen an ihre Durchschnittswerte zurückzulaufen und genau das bietet ein tragfähiges Fundament für unsere Trading-Entscheidung. Denn solange der Kurs sich oberhalb des GD20 bewegt, können wir davon ausgehen, dass er nach einem Rücksetzer von diesem wieder abprallt. Insoweit kann ein off ensiver Trader bereits einen Einstieg vornehmen, wenn der Kurs an der Linie ankommt oder kurz davor ist. Ein Stopp-Loss lässt sich sinnvoll unterhalb des GD20 platzieren. Ein defensiver Trader wartet vielleicht ab, bis der Kurs wieder ansteigt und platziert seinen Stopp ebenfalls entsprechend unterhalb des GD20. Möglich ist auch ein kombinierter Einstieg mit der jeweils halben Position. Dieser GD bietet nach dem Einstieg gleichfalls einen idealen Trailing-Stopp. Denn solange ein Trend intakt ist, läuft der Kurs nicht nennenswert unter seinen GD20. Fällt der Kurs darunter, wird der Trend schwach und die Zeit für einen Ausstieg ist gekommen. Als Variante kann ein nachgezogener Stopp-Loss unter dem Tief der ersten Kerze, die den GD20 unterschritten hat, liegen. Damit lassen sich Ausstiege durch einzelne Bewegungen unter den GD20 vermeiden.

Schritt 2: Wie können wir im zweiten Schritt eine kurzfristigere Betrachtung des GD8 in das Trading einbeziehen? Der Einsatz von mehreren Gleitenden Durchschnitten bewährt sich vor allem, wenn ein Trend sehr steil ist und eine hohe Dynamik zeigt. Dann kommt ein Kurs oftmals nicht mehr bis an seinen GD20 zurück, sondern korrigiert nur bis an seinen GD8, um dann wieder dynamisch anzusteigen. Hier bietet sich der Einstieg analog zum oben Genannten an, mit der Besonderheit, dass ein Unterschreiten des GD8 nicht als Ausstiegssignal gewertet wird, sondern der Ausstieg erst nach Unterschreiten des GD20 in Betracht kommt. Das RisikoManagement ist hierauf natürlich entsprechend anzupassen. Das Trading am GD20 beziehungsweise am GD8 hat mehrere Vorteile: Zum einen bietet der Einstieg an dem Gleitenden Durchschnitt ein hervorragendes Chance/Risiko-Verhältnis. Zum anderen haben wir hier auch einen psychologischen Vorteil. Wir wissen schnell, ob wir richtig oder falsch liegen. Unterschreitet der Kurs den GD20, ist mit dem Trend etwas nicht in Ordnung. Der lange schmerzhafte Weg in die Verlustzone, wie ihn Trader kennen, die einen Ausbruch über das letzte Hoch handeln und während eines Rücksetzers die Nerven bewahren müssen, wird hier gezielt vermeiden.

Neben dem eng zu platzierenden Stopp-Loss liegt ein weiterer Vorteil darin, dass das letzte Hoch ein mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichbares erstes Ziel bietet. Hier können Trader zumindest eine Teilposition aufl ösen und den Stopp entsprechend nachziehen.

Bild 2: AUD/USD im Tageschart. Nach dem Überschneiden von GD8 und GD20 kam der Kurs mehrfach an den GD8 zurück und stieg von da aus auf neue Hochs. Ein Einstieg am GD8 mit Stopp-Loss unterhalb des GD20 hat sechs Positionen in den Gewinn gebracht. Erst als der Kurs unter den GD20 fällt, bietet es sich an, den Stopp unter das Tief der Kerze zu ziehen, die den GD20 durchbrochen hat. Als sich die beiden GDs annähern, ist es sinnvoll, die Positionen aufzulösen, nachdem kein neues Hoch erreicht wurde. So lassen sich die Positionen sechs und sieben zumindest Break-Even auflösen.

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Schritt 3: Wir werden nun das Zusammenspiel der Gleitenden Durchschnitte um den langfristigen GD 200 erweitern (Bild 3) und uns mit einer zuverlässigen Trendwendesignalgebung befassen. Der GD200 wird wegen seiner langfristigen Signalqualität nicht nur von Tradern, sondern auch von Anlegern stark beachtet. Hier können Sie von längerfristigen Trends ausgehen. Hat ein Kurs den GD200 erst einmal überschritten, bietet dieser in einem Trend eine solide Unterstützungslinie. Das heißt ganz konkret, dass Sie nach einem Unterschreiten des GD20 mit anschließender Berührung des GD200 einen sehr interessanten Einstieg in einen längerfristigen Trend fi nden können. Der Stopp-Loss kann wie bereits in Schritt 1 und 2 beschrieben platziert werden. Wer dann nach erfolgreichem Einstieg erste Gewinne mitnehmen will, kann dies gut am GD20 tun, denn hier fi ndet sich oftmals ein erstes Ziel, von dem der Kurs zurückläuft.

Bild 3: DAX im 60-Minuten-Chart. Nachdem der Markt über den GD200 gestiegen war, bildete er zunächst neue Hochs aus, lief dann unter den GD20 und fi el weiter ab, nachdem kein neues Hoch mehr erreicht wurde. War der GD200 zunächst noch als Widerstand anzusehen, dient er nach Überschreiten als solide Unterstützung (1. Markierung) und der Kurs steigt nach dem Erreichen des GD200 wieder an. Am GD20 sind erste Gewinnmitnahmen zu beobachten (2. Markierung), bevor der Kurs die letzten Hochs in Angriff  nimmt.

Gleitenden Durchschnitte.

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Gleitende Durchschnitte sind natürlich nicht nur für Trader mit trendfolgender Strategie interessant, sondern auch für Countertrend-Trader. Warum? Wenn wir weiter oben davon sprechen, dass der Kurs an den Gleitenden Durchschnitt zurückläuft und dann daran abprallt, tun wir das auch deshalb, weil Countertrend-Trader den überkauften Markt verkaufen und ihre Positionen am Gleitenden Durchschnitt aufl ösen. Die Gleitenden Durchschnitte bilden dann ganz konkrete Ziele für Countertrend-Trader. Gleichzeitig bauen Trendfolgende-Trader dort ihre ersten Positionen auf.

GDs IN VERBINDUNG MIT CANDLESTICK

Mittlerweile sind Candlesticks weit verbreitet und viele Trader nutzen die daraus abzuleitenden Signale. Wie sieht es denn in der Kombination mit Gleitenden Durchschnitten aus? Falls Sie nicht direkt einsteigen wollen, wenn der Kurs an den Gleitenden Durchschnitt heranläuft, sondern lieber eine Bestätigung für die Trendaufnahme sehen möchten, bieten sich hier interessante Möglichkeiten. Denn gerade wenn an den Gleitenden Durchschnitten Trendwendeformationen wie Bullish Engulfi ng Pattern, Morning Star, Piercing Pattern oder Hammer auftreten, können Sie sich ermutigt fühlen, eine Position in Richtung des Trends zu eröff nen. Für einen Abwärtstrend gelten natürlich die entsprechenden Formationen.

TRENDWENDE AM GLEITENDEN DURCHSCHNITTE

Eines der bekanntesten Signale im Trading mit Gleitenden Durchschnitten ist der Ein- und Ausstieg beim Überkreuzen einer kurzfristigen mit einer langfristigeren Linie. Leider ist dann oftmals ein guter Teil der Trendbewegung bereits abgearbeitet. An dieser Stelle soll deshalb eine Formation vorgestellt werden, die eine Trendwende zuverlässig ankündigt und dabei ein hervorragendes Chance/RisikoVerhältnis bietet. Gehen Sie davon aus, dass Sie mit dieser Formation einer der ersten sind, die den neuen Trend aufnehmen. Die schlechte Nachricht ist allerdings: Wahrscheinlich sind Sie aus Ihrem trendfolgenden Trade ausgestoppt worden, wenn Sie diese Formation sehen und müssen sich auf ein neues Szenario einstellen.

Schauen wir uns dazu Bild 4 an: Wir sehen, dass Gold in einer Abwärtsbewegung von über 1000 Dollar bis in den Bereich von 700 Dollar gefallen ist. Nach einer Rallye bleibt der Kurs am GD20 stecken und kommt zurück. Es bildet sich ein Spinning Top aus. In der Folgeperiode fällt der Kurs und das Tief der vorherigen Kerze wird unterschritten. Spätestens an diesem Punkt lassen sich viele Trader einstoppen. Der Kurs fällt deutlich, allerdings nicht auf ein neues Tief, sondern dreht in der Folgeperiode und überschreitet den GD20. Als Formation lässt sich ein Bullish Engulfi ng Pattern erkennen. In der darauf folgenden Woche bildet der Kurs ein neues Hoch und Sie werden im Verlust ausgestoppt. Sind Sie jetzt mental in der Lage dieses Einstiegssignal in einen neuen Trend zu handeln und direkt ein neues Risiko einzugehen?

Bild 4: Gold im Wochenchart. Im Herbst 2008 kommt Gold nach einer Abwärtsbewegung von unten an den GD20 und fällt von dort deutlich zurück (rote Kerze im markierten Bereich), was eine Fortführung der Abwärtsbewegung erwarten lässt. In der Folgekerze wird dieses Muster durch ein Bullish Engulfi ng Pattern negiert und ein neuer Aufwärtstrend startet. Das Tief der letzten roten Kerze wurde nicht mehr unterschritten.

Gold Trading Beispiel.

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Was ist geschehen? Wir haben am GD20 eine rote Kerze, die nach einer korrigierenden Rallye eine weitere Bewegung im Abwärtstrend verspricht. Die darauf folgende Kerze ist nicht nur grün, sondern sie überschreitet den GD20 und damit auch die letzte rote Kerze. Genau das ist ein Einstiegssignal nach einem Fehlsignal in einen neuen Trend. Den Stopp-Loss können Sie ruhig aggressiv unter die rote Kerze legen. Die ausgestoppten Short-Positionen werden dafür sorgen, dass dieser Kurs nicht mehr erreicht wird. Sie sind am Anfang eines neuen Trends am GD20 eingestiegen und können nun als erstes Ziel den GD200 in Angriff  nehmen.

ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

Wir haben uns in diesem Artikel mit einem der einfachsten Indikatoren beschäftigt, die Sie im Trading fi nden können: dem einfachen Gleitenden Durchschnitt. Auf der Suche nach „dem“ optimalen Indikator geraten diese häufig in Vergessenheit – völlig zu Unrecht, bieten sie doch viele Möglichkeiten, einen Markt zu analysieren, und zeigen dabei auch ganz konkrete Handelsmöglichkeiten. An den Gleitenden Durchschnitten können Sie alles ablesen: Einstieg, Stopp-Loss, Trailing-Stopp, Kursziel. Sie kennen den Trend, die Trendstärke und sind mit dem richtigen Setup sogar frühzeitig mit dabei, wenn ein neuer Trend entsteht. Was will ein Trader mehr?

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