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Box-Trader Nicolas Darvas

Nicolas Darvas gehört zu den außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Börsengeschichte. Er wurde 1920 in Ungarn geboren und starb 1977. Anders als viele bekannte Trader hatte Darvas weder eine klassische Karriere an der Wall Street noch eine professionelle Ausbildung zum Börsenhändler. Zwar studierte er Wirtschaftswissenschaften, bekannt wurde er zunächst jedoch in einem völlig anderen Bereich: als professioneller Tänzer.

Nach seiner Flucht aus Ungarn gelangte Darvas über Istanbul schließlich in die USA. Gemeinsam mit seiner Schwester entwickelte er eine erfolgreiche Karriere als professioneller Tänzer und tourte international.

Mit dem Aktienhandel begann er zunächst nebenbei. Da Darvas während seiner Tourneen häufig unterwegs war, hatte er keinen direkten Zugang zu den Märkten und konnte Kursbewegungen nicht permanent verfolgen. Die Kommunikation mit seinem Broker erfolgte teilweise per Telegramm.

Gerade diese Distanz zum täglichen Börsengeschehen sollte später zu einem wichtigen Bestandteil seiner Handelsphilosophie werden.

Darvas entwickelte einen klaren, regelbasierten Ansatz, bei dem Kursbewegungen, Handelsvolumen und Breakouts im Mittelpunkt standen. Daraus entstand seine berühmte Darvas-Box-Theorie.

Ende der 1950er-Jahre soll es ihm gelungen sein, sein Trading-Kapital innerhalb von rund 18 Monaten auf etwa zwei Millionen US-Dollar zu steigern. Seine Erfahrungen beschrieb er anschließend in seinem Bestseller How I Made $2,000,000 in the Stock Market.

Bis heute gilt Nicolas Darvas deshalb als einer der bekanntesten frühen Vertreter eines systematischen Momentum- und Breakout-Tradings.

Nicolas Darvas' Weg an die Finanzmärkte

Die ersten Erfahrungen von Nicolas Darvas an der Börse waren keineswegs von dauerhaftem Erfolg geprägt.

Zu Beginn orientierte er sich vor allem an Unternehmensgeschichten, Empfehlungen und vermeintlich attraktiven Aktien. Er versuchte herauszufinden, welche Unternehmen gute Zukunftsaussichten besaßen oder günstig bewertet erschienen.

Ein wirklich konsequentes System stand hinter diesen Entscheidungen zunächst nicht.

Darvas erkannte schließlich, dass ihn Meinungen und Geschichten über Unternehmen allein nicht weiterbrachten. Deshalb begann er, seine Aufmerksamkeit stärker auf die tatsächliche Entwicklung von Kurs und Handelsvolumen zu richten.

Statt sich zu fragen, warum eine Aktie eigentlich steigen müsste, beobachtete er, ob sie tatsächlich Stärke zeigte.

Diese Veränderung wurde zum Wendepunkt seines Trading-Ansatzes.

Seine Tätigkeit als Tänzer zwang ihn gleichzeitig dazu, einen Handelsstil zu entwickeln, der ohne permanente Marktbeobachtung funktionierte. Darvas konnte nicht den ganzen Tag vor Börsenkursen sitzen. Stattdessen analysierte er die verfügbaren Kursinformationen in regelmäßigen Abständen und übermittelte seine Handelsentscheidungen an seinen Broker.

Aus dieser Kombination aus Distanz, Disziplin und technischer Marktbeobachtung entstand schließlich seine berühmte Box-Theorie.

Nicolas Darvas' Box-Theorie: Breakouts systematisch handeln

Im Mittelpunkt von Nicolas Darvas' Trading-Strategie steht die sogenannte Darvas-Box-Theorie.

Darvas beobachtete, dass sich Aktienkurse häufig innerhalb bestimmter Preisspannen bewegen. Innerhalb dieser Bereiche schwankt eine Aktie zwischen einer oberen Widerstandszone und einer unteren Unterstützungszone.

Diese Bereiche bezeichnete Darvas als „Boxen“.

Solange sich eine Aktie innerhalb einer solchen Box bewegte, bestand für ihn zunächst kein Grund zu handeln. Interessant wurde die Situation erst dann, wenn der Kurs die obere Begrenzung überzeugend überschritt.

Ein solcher Breakout konnte darauf hindeuten, dass die Aktie in eine neue, höhere Kurszone übergeht.

Darvas kaufte deshalb bevorzugt Aktien, die aus einer bestehenden Box nach oben ausbrachen und deren Bewegung durch ein erhöhtes Handelsvolumen bestätigt wurde.

Seine Strategie basiert damit auf einem Prinzip, das auch in vielen modernen Momentum-Ansätzen zu finden ist: Stärke kaufen, statt auf vermeintlich günstige Kurse zu warten.

Zu den wichtigsten Grundprinzipien seines Ansatzes gehören:

  • Aktien werden anhand klar definierter Kursbereiche beziehungsweise „Boxen“ beobachtet.
  • Ein Einstieg erfolgt erst nach einem bestätigten Ausbruch aus einer bestehenden Box.
  • Ein erhöhtes Handelsvolumen dient als zusätzliche Bestätigung eines Breakouts.
  • Kursbewegungen besitzen Vorrang vor Geschichten und Meinungen über ein Unternehmen.
  • Fundamentale Stärke kann als Vorauswahl dienen, bevor die technische Analyse über den Einstieg entscheidet.
  • Kapital wird erst eingesetzt, wenn die tatsächliche Kursentwicklung die Handelsidee bestätigt.
  • Entscheidungen werden nach einem festen System getroffen und nicht aufgrund kurzfristiger Emotionen.

Damit kombinierte Darvas Elemente der fundamentalen Aktienauswahl mit einem klaren technischen Timing-Modell.

Nicolas Darvas: Fundamentaldaten treffen auf technische Analyse

Obwohl Darvas häufig vor allem mit technischer Analyse und seiner Box-Theorie verbunden wird, betrachtete er nicht zwangsläufig jede Aktie als möglichen Kandidaten.

Besonders interessant waren für ihn Unternehmen mit starken Wachstumsaussichten und einer positiven Entwicklung der Geschäftszahlen.

Die Fundamentaldaten beantworteten damit gewissermaßen die Frage: Welche Aktien könnten interessant sein?

Die Kursentwicklung beantwortete anschließend die wichtigere Frage: Wann sollte tatsächlich gekauft werden?

Darvas wollte nicht allein aufgrund guter Unternehmenszahlen einsteigen. Erst wenn sich die fundamentale Stärke auch im Verhalten der Aktie widerspiegelte, wurde ein Kauf interessant.

Damit entstand eine Kombination aus Wachstum, Momentum und Breakout-Timing.

Dieses Prinzip findet sich später auch in anderen bekannten Trading-Ansätzen wieder: Erst werden starke Unternehmen identifiziert, anschließend entscheidet die technische Kursentwicklung über den konkreten Einstieg.

Nicolas Darvas' Risikomanagement: Verluste schnell begrenzen

Ein wesentlicher Bestandteil der Darvas-Strategie war das konsequente Risikomanagement.

Darvas erkannte, dass langfristiger Trading-Erfolg nicht davon abhängt, jede zukünftige Gewinneraktie korrekt vorherzusagen.

Entscheidend ist vielmehr, wie ein Trader reagiert, wenn eine Position nicht wie erwartet läuft.

Deshalb verband er seine Box-Theorie mit klar definierten Stop-Loss-Marken.

Fiel eine Aktie nach einem Breakout wieder unter einen entscheidenden Bereich zurück, konnte dies darauf hindeuten, dass der erwartete Ausbruch gescheitert war. In diesem Fall sollte die Position konsequent beendet werden.

Zu den wichtigsten Prinzipien seines Risikomanagements gehören:

  • Jede Position besitzt einen klar definierten Stop-Loss.
  • Die Stop-Marke orientiert sich an der jeweiligen Kursstruktur beziehungsweise Darvas-Box.
  • Verluste werden konsequent begrenzt, wenn ein Breakout scheitert.
  • Der Schutz des Trading-Kapitals steht an erster Stelle.
  • Verlustpositionen werden nicht allein aus Hoffnung weiter gehalten.
  • Erfolgreiche Positionen erhalten dagegen ausreichend Raum, um sich weiterzuentwickeln.

Darvas versuchte also nicht, möglichst häufig richtigzuliegen.

Sein Ziel bestand vielmehr darin, Verluste klein zu halten und erfolgreichen Trades genügend Raum für größere Kursbewegungen zu geben.

Nicolas Darvas und das Prinzip „Gewinner laufen lassen“

Während Darvas bei Verlustpositionen konsequent vorging, behandelte er erfolgreiche Trades anders.

Wenn eine Aktie nach einem Breakout weiter anstieg und anschließend eine neue, höher gelegene Box ausbildete, konnte die Position bestehen bleiben.

Dadurch entstand ein dynamisches System.

Eine Aktie konnte von einer Box in die nächste steigen, während Darvas seine Absicherung entsprechend der Kursentwicklung nachzog. Solange der Aufwärtstrend intakt blieb, gab es keinen Grund, einen erfolgreichen Trade vorschnell zu beenden.

Damit kombinierte Darvas zwei klassische Prinzipien des Risikomanagements:

Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen.

Diese asymmetrische Behandlung von Gewinnern und Verlierern gehört bis heute zu den wichtigsten Grundideen vieler Trendfolge- und Momentum-Strategien.

Aktives Trading ohne permanente Marktbeobachtung

Ein besonders interessanter Aspekt der Geschichte von Nicolas Darvas ist, dass sein aktiver Trading-Ansatz ohne permanente Marktbeobachtung funktionierte.

Während seiner Karriere als Tänzer befand er sich regelmäßig auf Reisen und konnte die Börse nicht kontinuierlich verfolgen.

Informationen erhielt er zeitversetzt über Finanzpublikationen und seinen Broker. Handelsentscheidungen wurden teilweise per Telegramm übermittelt.

Was zunächst wie ein großer Nachteil erscheint, entwickelte sich für Darvas zu einem Vorteil.

Die räumliche und zeitliche Distanz zum Markt reduzierte die Gefahr, auf jede kleine Kursbewegung emotional zu reagieren.

Statt ständig neue Entscheidungen zu treffen, konzentrierte er sich auf die Signale seines Systems.

Typische Merkmale seines Ansatzes waren deshalb:

  • Kombination aus fundamentaler Vorauswahl und technischer Bestätigung
  • Kauf von Stärke und Momentum statt vermeintlich günstiger Aktien
  • Konzentration auf bestätigte Breakouts
  • Entscheidungen anhand klar definierter Regeln
  • regelmäßige statt permanente Marktbeobachtung
  • Vermeidung impulsiver Reaktionen auf kurzfristige Kursschwankungen

Darvas zeigte damit schon lange vor dem digitalen Zeitalter, dass aktives Trading nicht zwangsläufig bedeutet, jede Minute vor einem Bildschirm verbringen zu müssen.

Nicolas Darvas' Trading-Philosophie: Regeln statt Emotionen

Die Geschichte von Nicolas Darvas ist vor allem eine Geschichte über Disziplin.

Seine frühen Erfahrungen zeigten ihm, wie problematisch es sein kann, Handelsentscheidungen aufgrund von Empfehlungen, Geschichten oder persönlichen Überzeugungen zu treffen.

Die Box-Theorie gab ihm stattdessen ein klares Regelwerk.

Eine Aktie musste bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ein Einstieg erfolgte erst bei einem entsprechenden Breakout. Das Risiko wurde durch einen Stop-Loss begrenzt. Entwickelte sich die Position positiv, durfte der Gewinn weiterlaufen.

Damit wurde der Entscheidungsprozess deutlich objektiver.

Darvas musste nicht permanent überlegen, ob eine Aktie vielleicht steigen könnte. Er wartete darauf, dass der Markt selbst ein entsprechendes Signal lieferte.

Für ihn war deshalb nicht die Häufigkeit der Entscheidungen entscheidend, sondern deren Konsequenz und Qualität.

Für wen eignet sich Nicolas Darvas' Trading-Ansatz?

Die Darvas-Box-Theorie richtet sich insbesondere an Trader, die einen aktiven, aber gleichzeitig klar strukturierten Handelsansatz bevorzugen.

Seine Methodik eignet sich vor allem für Trader, die:

  • einen regelbasierten Ansatz verfolgen möchten,
  • nicht permanent die Märkte beobachten können oder wollen,
  • Breakouts und Momentum handeln möchten,
  • klare Stop-Loss-Marken konsequent akzeptieren können,
  • fundamentale Stärke mit technischer Analyse kombinieren möchten,
  • lieber starke Aktien kaufen als gezielt nach vermeintlich unterbewerteten Unternehmen zu suchen,
  • auf eine Bestätigung durch den Markt warten können,
  • Disziplin und Konsequenz wichtiger finden als möglichst viele Trades.

Gerade für Trader, die nicht hauptberuflich an den Finanzmärkten aktiv sind, besitzt die Grundidee einen interessanten Aspekt: Aktives Trading muss nicht zwangsläufig mit permanentem Handeln gleichgesetzt werden.

Entscheidend ist vielmehr, dass die eigenen Regeln konsequent umgesetzt werden.

Fazit: Warum Nicolas Darvas die Trading-Welt geprägt hat

Nicolas Darvas steht für die Idee, dass erfolgreiches Trading weder eine Karriere an der Wall Street noch den permanenten Zugang zu Echtzeitkursen voraussetzt.

Als professioneller Tänzer entwickelte er einen Handelsansatz, der zu seiner außergewöhnlichen Lebenssituation passte. Statt die Märkte kontinuierlich zu beobachten, konzentrierte er sich auf klar definierte Kursbereiche, bestätigte Breakouts und konsequentes Risikomanagement.

Seine Darvas-Box-Theorie machte aus der Beobachtung von Kursbewegungen ein strukturiertes Trading-System: starke Aktien identifizieren, auf den Ausbruch warten, das Risiko begrenzen und erfolgreiche Positionen möglichst lange laufen lassen.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Verbindung aus fundamentaler Vorauswahl und technischem Timing. Gute Unternehmensdaten allein waren für Darvas kein ausreichender Kaufgrund. Erst wenn der Markt die erwartete Stärke durch Kurs und Volumen bestätigte, wurde eine Aktie interessant.

Seine Geschichte zeigt außerdem, dass aktives Trading nicht mit ständigem Handeln verwechselt werden sollte. Darvas traf seine Entscheidungen vergleichsweise selten, dafür aber auf Grundlage klarer Regeln.

Genau diese Kombination aus Breakout-Trading, Momentum, Risikomanagement und Disziplin machte Nicolas Darvas zu einem der bekanntesten Vorreiter regelbasierter Aktienstrategien – und seine Darvas-Box zu einem Konzept, das Trader bis heute kennen und verwenden.

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