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DAX und DOW – Mondpreise an den Märkten

September 2020. Die Aktienmärkte – voran Tech-Werte – sind im „Neue-Markt-Modus“. Einige Titel erreichen inzwischen Mondpreise. Beispiel Tesla. Das Unternehmen wird derzeit mit 440 Mrd. US-Dollar bewertet. Der Jahresumsatz liegt bei 24 Mrd. Dollar. Wenn die Tesla-Aktie um 5% steigt, dann hat das Unternehmen seine Marktkapitalisierung um einen Jahresumsatz gesteigert.

Beispiel Zoom: Das Unternehmen vermarktet eine Software für Videokonferenzen. Das ist keine Raketenwissenschaft. Das Geschäftsmodell basiert auf einem Produkt, das leicht kopierbar ist. Der Umsatz erreicht 2020 ca. 2,4 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn dürfte bei 9 Cent je Aktie liegen, das operative Ergebnis bei 15 Mio. US-Dollar. Das KGV liegt bei 235. Für Wachstumswerte ist ein KGV von 30 noch angemessen.



Das ist völlig übertrieben und strahlt auf andere Märkte aus. Auch am Anleihenmarkt ist der Anlagedruck zu spüren. Beispiel Adidas. Der Sportartikelhersteller hat eine Anleihe platziert und wollte 1 Mrd. Euro einsammeln. Der angebotene Zinssatz für die vierjährige Anleihe lag bei 0%. Für die fünfzehnjährige Laufzeit bot Adidas 0,62%. Auch diese Rendite ist nach Inflation deutlich negativ. Insgesamt wurden Kauforders für 7 Milliarden Euro abgegeben.

Die fundamentalen Entwicklungen bremsen unseren Enthusiasmus aber weiter. Während die Börsen steigen, erhöhen die Banken ihre Risikovorsorge gegen Kreditausfälle enorm, teilweise um über 300%. Viele Geldhäuser fürchten eine massive Zunahme von Insolvenzen.

Viele Lieferketten in Unternehmen rund um den Globus bleiben gestört. Unternehmen suchen neue Lieferanten, bauen Produktion und Lagerhaltung um. Das bindet Zeit und Geld in den Firmen, belastet die Margen und wird Produkte im Trend teurer machen. 
Nur das billige Geld der Treibstoff für die Kurse. Die sind der fundamentalen Bewertung längst enteilt. Anleger, die neu investieren wollen stecken in dem Dilemma, den Kopf ausschalten und auf einen zügig fahrenden Zug aufspringen zu müssen. Das Problem dabei: Erinnerungen an die Kursentwicklung des neuen Marktes oder an die Tulpen-Hausse drängen sich uns auf. Und wir sehen viele Warnlampen.

Eine strategische Frage bekommen wir dabei nicht beantwortet. Wenn sich die Konjunktur selbst tragend verbessern sollte, was machen dann die Notenbanken? Reduzieren sie die Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte? Die Börsen dürften das angesichts der bereitgestellten Volumina nicht gut verkraften.

FAZIT

Value-Anleger haben nur die Möglichkeit, vorsichtig mitzutanzen. Die Märkte sind völlig überreizt, aber es kann trotzdem noch weiter gehen. Aktien aktiv zu verkaufen, ist nicht ratsam. Besser ist es, mitzutanzen und Stopps einzubauen. Wir sind überzeugt, dass diese Party nicht ewig läuft. Daher warten wir mit neuen Käufen weiter auf den zweiten Rutsch.



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