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DAX und DOW – Das Wirecard-Waterloo

Juni 2020. Der Wirecard-Krimi erreicht den Höhepunkt – und viele Anleger ihr Wirecard-Waterloo. Der Zahlungsabwickler hat Insolvenzantrag gestellt. Der Aktienkurs fiel von gestern 10,70 Euro (Schlusskurs) auf 1,50 Euro in der ersten Taxe heute morgen (Donnerstag). Die Parabel perfekt: Vom Pennystock zum hochgejazzten Highflyer – und zurück. Die Aktie war im November 2005 mit 0,67 Euro gestartet. Zur Aufnahme in den DAX notierte der Titel im August 2081 bei 107 Euro.

Damit schafft Wirecard eine Premiere: Noch nie ist ein DAX-Wert in die Insolvenz gerutscht. Der Wirecard-Hammer zertrümmert auch ein gutes Stück des Finanzplatzes Deutschland. Erstens ist die Rolle der Wirtschaftsprüfer fragwürdig. Welche Aussagekraft haben Jahresabschlüsse, wenn derart grobe Fälschungen nicht auffliegen? Eine rein formale Prüfung, die keine Plausibilitäten checkt, ist jedenfalls zu wenig. Der testierenden Kanzlei EY drohen jetzt Schadenersatzklagen.


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Auch die Rolle der Deutschen Börse ist fragwürdig. Dem Vernehmen nach steht kein „fast Exit“ für Wirecard bevor. Laut den Regularien reicht ein Insolvenzantrag dafür nicht aus. Lediglich wenn ein Insolvenzverfahren „mangels Masse“ abgelehnt wird, kann das Unternehmen sofort aus dem DAX ausgeschlossen werden. So kann es sein, dass Wirecard noch bis September im DAX notiert ist - was für eine Absurdität.

Kaum zu glauben ist, dass die Deutsche Börse hier kein Augenmaß beweist. Die Insolvenz von Wirecard fällt schließlich nicht wie der Aktienkurs vom Himmel. Sie ist das Ergebnis von Betrug, Täuschung und Bilanzmanipulation. Eine der Regelungen der Deutschen Börse bezieht sich auf Kriterien zu Corporate Governance. Demnach müssen Index-Mitglieder binnen der ersten vier Monate des Jahres eine testierte Bilanz vorlegen. Wirecard hat diese Regel klar gebrochen.

Bleibt für Anleger die bittere Frage: Welche Qualität soll das größte deutsche Börsenbarometer eigentlich beweisen? De facto liefert der Index überhaupt keine inhaltliche Qualität. Letztlich bildet er nur die Kursentwicklung von 30 Unternehmen ab, die formale Kriterien (z. B. Marktkapitalisierung, Handelsumsatz) erfüllen. Damit zeigt der Index nur die für die Börse attraktivsten Unternehmen. Bleibt zu hoffen, dass die Deutsche Börse das Wirecard-Desaster nutzt, um Anpassungen an ihrem Auswahl-Regelwerk vorzunehmen - um künftigen Schaden vom Finanzplatz D abzuwenden.

Neben Wirecard bewegt heute noch die EZB die Anleger. Die Europäische Zentralbank hat die Tür zu einer Einigung im Konflikt mit dem Bundesverfassungsgericht aufgestoßen. Sie rechtfertigte ihre Anleihekäufe in der Krise und räumt damit die Unklarheiten ab, die das deutsche Verfassungsgericht zuvor moniert hatte. Damit dürften die Bundesbank auch weiterhin deutsche Staatsanleihen im Auftrag der EZB kaufen können. 

FAZIT

Der DAX bewegt sich weiterhin in der engen Bandbreite von 12.000 bis 12.500 Punkten. Das Ringen der Investoren um die weitere Perspektive ist noch nicht entschieden. Die Börse hat auf eine V-Erholung der Konjunktur spekuliert. Nun muss die Realwirtschaft liefern. Wir bleiben dabei: Abwarten.


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